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Silber noch tiefer? EM-Taper-Geschwafel

01.02.2014  |  Markus Blaschzok
Die Sitzung der privaten US-Notenbank brachte das vom Markt bereits erwartete Tapering in Höhe von 10 Mrd. USD. Damit wurde das Anleihekaufprogramm den zweiten Monat infolge um diesen Betrag reduziert, wodurch die US-Geldbasis aktuell "nur noch" um 65 Mrd. US-Dollar monatlich wächst. Die Entscheidung dazu wurde einstimmig durch die Mitglieder des Offenmarktausschusses getroffen und man plant, die Anleihekäufe in den nächsten Monaten weiter zu reduzieren.

In der letzten Analyse von Mittwoch erwarteten wir im Anschluss an die FED-Sitzung fallende Edelmetallpreise, womit unsere Kursprognose zur FED-Sitzung wieder eintraf. Unmittelbar nach der Sitzung kam es zu einer Achterbahnfahrt in einer relativ engen Handelsspanne beim Gold, was den Kampf zwischen Bullen und Bären an dem charttechnisch wichtigen Abwärtstrend deutlich aufzeigte. Bei den letzten Sitzungen ging es hingegen sofort deutlich nach unten, was zeigt, dass der Kaufdruck langsam zu stark wird und die Manipulation und der Abwärtstrend in Bälde sein Ende finden wird.

Seit dem letzten Sommer gelang es uns die Preisbewegung an den Märkten, durch die Beobachtung der Manipulation am Terminmarkt, sehr gut zu prognostizieren. Im Gold war in den vergangenen Wochen nur einmal eine leichte Manipulation über den Terminmarkt auszumachen - sonst verhielt es sich unauffällig. Beim Silber waren die Preisdrückungen jedoch besonders im Dezember an den Daten der US-Aufsichtsbehörde statistisch nachzuweisen. Ab der zweiten Januarwoche hielt man sich dann zurück, da sich die Spekulanten mit ihren schon hohen spekulativen Longpositionen längst verausgabt hatten und so nicht mehr genügend Kaufdruck an dem signifikanten Widerstand von 20,30 USD im Silber vorhanden war. Fast 6 Wochen schrieben wir, dass diese Manipulation im Silber deutlich festzustellen war, was JP Morgan nicht ohne Grund gemacht hätte. Deshalb sei höchstwahrscheinlich noch kein Sprung über den Abwärtstrend zu erwarten und stattdessen noch einmal mit einer spekulativen Bereinigung zu rechnen.

Als einer der Wenigen haben wir die Manipulation wöchentlich genau im Blick und die neuesten Daten von Freitag zeigen, dass JP Morgan bis zum Stichtag Dienstag noch keine Positionen abgebaut hat, was uns pessimistisch stimmt für die kommende Handelswoche. Sollte sich hier ein deutlicher Abbau zeigen, bei einer gleichzeitigen Marktbereinigung, so wäre das wahrscheinlich das ultimative Einstiegssignal in einen neuen Aufwärtstrend.


Auswirkungen des Taperings auf die Emerging Markets?

Die FED blieb bei ihrer Entscheidung zur erneuten Drosselung völlig unbeeindruckt von den in den Medien heiß gekochten "Währungsabwertungen" in den Emerging Markets. Die argentinische, die türkische aber auch die ukrainische Währung werteten in den letzten beiden Wochen stärker zum Gold, Euro und dem US-Dollar ab. Doch die Abwertungen sind nicht deswegen eingetreten, weil die FED jetzt das zweite Mal ihr Ankaufprogramm gedrosselt hat, der Markt plötzlich höhere Zinsen in den USA erwartet und das Geld aus diesen Ländern abgezogen wird.

Das Momentum der Abwertung der türkischen Lira nahm zuletzt zwar zu, doch wertet diese bereits seit neun Monaten ab und man kann den letzten Verfall psychologisch als spekulativen Exzess interpretieren. Vor diesem Hintergrund scheint die Zinsanhebung der türkischen Notenbank von 4,5% auf 10% zwar längst überfällig aber dennoch übertrieben zu sein. Der türkische Ministerpräsident Erdogan, der sich klar gegen diese starke Zinsanhebung aussprach, von der Notenbank jedoch übergangen wurde, sprach gar von einem „Zins-Putsch“ gegen ihn vor den Regionalwahlen im März. Die Türkei würde das Wachstumsziel von vier Prozent so nicht mehr erreichen und die Zeche müssten die Unternehmen und Verbraucher in der Türkei zahlen.

Damit, dass der starke konjunkturelle Aufschwung der Türkei nun vorbei sei, hat Erdogan richtig erkannt, doch letztlich ist die Zinsanhebung nur eine verspätete Reaktion auf die zunehmende Geldmengenausweitung der vergangenen Jahre. Seit 2008 stieg die Geldmenge M3 um 254% und das engere Aggregat um 170%.

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An dem folgenden Chart des Wechselkurses des Euro zur Lira sieht man, dass die Abwertung der Lira nichts mit dem Tapering zu tun hat. Die überall in den Medien getroffene Aussage, die Lira hätte nach dem Tapering abgewertet, sodass die Notenbank eingreifen musste und nicht einmal dieser Eingriff geholfen hätte, ist völliger Blödsinn. Dass die türkische Zentralbank so lange der Abwertung zugesehen hat, ist verwunderlich genug - dass man jetzt plötzlich die Zinsen von 4,5% auf 10% über Nacht anhob, macht wenig Sinn. Vielleicht hat Erdogan gar nicht so unrecht mit seiner Behauptung, dass man ihm und dem Land just zu diesem Zeitpunkt schaden will.

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