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Risikoappetit lässt Preise weiter steigen

21.02.2012  |  Eugen Weinberg
Die Finanzminister der Eurogruppe haben in der Nacht ein neues Hilfspaket in Höhe von 130 Mrd. Euro für Griechenland beschlossen. Die drohende Staatspleite ist damit zunächst abgewendet. Die daraus resultierende Stimmungsaufhellung an den Finanzmärkten lässt auch die Rohstoffpreise am Morgen weiter steigen. Da die Beschlüsse erwartet wurden, halten sich die Zugewinne aber in Grenzen.


Energie

Brent handelte gestern zeitweise auf einem 8-Monatshoch von gut 121 USD je Barrel. WTI stieg zwischenzeitlich um 2% auf über 105 USD je Barrel und damit den höchsten Stand seit Anfang Mai 2011. Preisunterstützend wirkt weiterhin das Säbelrasseln des Iran. Da Frankreich und Großbritannien so gut wie kein Rohöl aus dem Iran bezogen, hat der gestern verkündete Lieferstopp keine nennenswerten Auswirkungen für den Iran selbst. Allerdings reicht er aus, dass die Ölpreise weiter steigen, was die eigentliche Absicht des Iran sein dürfte. Denn damit werden alle EU-Länder für ihren Boykottbeschluss "bestraft". Der Ölpreis in Euro notiert mittlerweile nur noch knapp unter dem Mitte 2008 verzeichneten Rekordhoch. Die Tankstellenpreise für Benzin in Deutschland haben gestern bereits ein Rekordhoch erreicht.

Wie die Daten der ICE gestern zeigten, ist auch der Preisanstieg bei Brent aktuell stark von spekulativen Finanzinvestoren getrieben. Diese haben ihre Netto-Long-Positionen in der Woche zum 14. Februar um 8 Tsd. auf 96,7 Tsd. Kontrakte ausgeweitet, was dem höchsten Stand seit Beginn der Aufzeichungen im Juni 2011 entspricht. Die spekulativen Netto-Long-Positionen bei WTI waren in derselben Berichtswoche ebenfalls auf den höchsten Stand seit Ende Mai 2011 gestiegen. Somit hat sich von dieser Seite ein beträchtliches Korrekturpotenzial aufgebaut.

Angesichts der derzeitigen Nachrichtenlage ist aber nicht zu erwarten, dass die spekulativen Finanzanleger ihre Long-Positionen im großen Stil reduzieren und damit die Preise unter Druck setzen.

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Edelmetalle

Auch die Edelmetalle profitieren von der positiven Marktstimmung im Nachgang des neuen Hilfspakets für Griechenland und der damit einhergehenden Abschwächung des US-Dollar. Gold steigt im Zuge dessen auf ein 12-Tageshoch von gut 1.740 USD je Feinunze. Silber, Platin und Palladium legen ebenfalls moderat zu.

Gemäß Daten der chinesischen Zollbehörde hat China im Januar mit 191,7 Tonnen so wenig Silber wie seit drei Jahren nicht mehr importiert. Im Vergleich zum Vorjahr haben sich die Importe nahezu halbiert. Damit setzt sich der seit vielen Monaten anhaltende Trend rückläufiger Silbereinfuhren fort, womit dem Preis eine in der Vergangenheit wichtige Stütze fehlt. Die rückläufigen Importe wurden im Januar allerdings durch eine steigende Nachfrage nach Münzen und ETFs aufgefangen. Und auch die spekulativen Finanzanleger haben sich zuletzt wieder optimistischer gezeigt, so dass der Silberpreis im Januar um knapp 20% zulegen konnte und aktuell in etwa auf dem Niveau vom Monatsende verharrt.


Industriemetalle

Der Preisanstieg der Industriemetalle im Nachgang des neuen Hilfspakets für Griechenland hält sich heute Morgen in Grenzen. Dieser dürfte zum Teil auch schon gestern vorweggenommen worden sein, nachdem die Metalle von festen Aktienmärkten mit nach oben gezogen wurden. Sollte die Euphorie über die nächtlichen Beschlüsse abebben, dürften die Metalle einen Teil ihrer Gewinne im Laufe des Tages wieder abgeben.

Wie Daten des International Aluminium Institutes zeigen, ist die globale Aluminiumproduktion ohne China im Januar im Vergleich zum Vormonat leicht um 2,2% auf 2,14 Mio. Tonnen zurückgegangen. Auf Tagesbasis entspricht dies mit 69 Tsd. Tonnen der niedrigsten Produktionsrate seit 12 Monaten. Damit reagieren die Produzenten offensichtlich auf die anhaltend niedrigen Preise und legen weitere Kapazitäten vorübergehend still.

In China dagegen ist die Aluminiumproduktion im Januar marginal gestiegen. Umso überraschender ist auch, dass China im Januar den zweiten Monat in Folge hohe Mengen an Aluminium importiert hat. Wie die heute Morgen von der Zollbehörde veröffentlichte Statistik zeigt, wurden netto gut 31 Tsd. Tonnen Aluminium ins Reich der Mitte eingeführt, nach 45,6 Tsd. Tonnen im Dezember. China scheint damit allerdings über Bedarf zu importieren, wie die Lagerstatistik der Börse Shanghai verdeutlicht. Denn dort sind die Aluminiumvorräte seit Anfang Dezember um 76% auf 312 Tsd. Tonnen gestiegen.


Agrarrohstoffe

Nach ihrem fulminanten Anstieg um 20% seit Anfang Februar sackten die Notierungen für Robusta-Kaffee an der Londoner Börse in den letzen beiden Handelstagen um insgesamt 8,5% ab und handeln wieder unterhalb der Marke von 2.000 USD je Tonne. Hintergrund der Preiskorrektur ist die Erwartung, dass das weltgrößte Robusta-Produzentenland Vietnam angesichts des gestiegenen Preises vermehrt Ware verkaufen wird.

Seit Wochen waren die Lieferungen deutlich hinter dem zu erwartenden Niveau zurückgeblieben. In der Zeit von Oktober bis Januar lagen die vietnamesischen Exporte mit 6,2 Mio. Sack um 25% unter dem Vorjahreswert. Im Januar lag das Minus gegenüber Vorjahr sogar bei 48%. Damit sollte nach Ansicht von Beobachtern das Preisniveau angehoben werden. Dies scheint gelungen zu sein. Für den nächstfälligen März-Kontrakt war der Preis auf 2.167 USD je Tonne nach oben geschnellt.

Der Preisrückgang signalisiert allerdings, dass ein solches Preisniveau angesichts des reichlichen Angebots nicht zu halten sein wird. In Vietnam zeichnet sich für die zu Ende gehende Ernte ein Rekordvolumen von 21,5 bis 22 Mio. Sack ab. Im zweitgrößten Produzentenland Brasilien wird ebenfalls ein deutlicher Produktionsanstieg gegenüber dem Vorjahr erwartet, wie auch bei der in Indonesien bevorstehenden neuen Ernte. Von daher besteht auch aus unserer Sicht derzeit kein Anlass für Robusta-Preise von mehr als 2.000 USD je Tonne.




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