Suche
 
Folgen Sie uns auf:

Ölpreis in Euro erreicht Rekordniveau

24.02.2012  |  Eugen Weinberg
Energie

Die Irankrise treibt die Ölpreise immer weiter in die Höhe. Gestern stieg der Brentölpreis über die Marke von 124 USD je Barrel und erreichte damit das höchste Niveau seit fast 10 Monaten. In Euro gerechnet verzeichnete der Brentölpreis mit 93,5 EUR je Barrel sogar ein Rekordhoch. Auch der WTI-Preis erreichte mit knapp 109 USD je Barrel den höchsten Stand seit Mai 2011. Eine Angebotsknappheit lässt sich zumindest in den USA nicht feststellen.

Die US-Rohöllagerbestände sind in der vergangenen Woche um weitere 1,6 Mio. Barrel auf den höchsten Stand seit September 2011 gestiegen. Die deutlich gestiegene Raffinerieauslastung hätte eigentlich für einen Lagerabbau gesprochen, doch höhere Importe verhinderten dies. Trotz der gestiegenen Raffinerieproduktion sanken die Vorräte an Ölprodukten. Grund hierfür war die im Wochenvergleich um 450 Tsd. Barrel pro Tag gestiegenen Benzinnachfrage. Da in den USA am Montag ein Feiertag war, haben viele Amerikaner im Vorfeld des langen Wochenendes getankt.

An der zugrundeliegenden Schwäche der Benzinnachfrage ändert dies nichts. Diese lag im Durchschnitt der vergangenen vier Wochen 6,1% unter dem Vorjahresniveau. Die Nachfrage nach Ölprodukten fiel in der vergangenen Woche sogar auf den niedrigsten 4-Wochendurchschnittswert seit knapp 15 Jahren. Angesichts der deutlich gestiegenen Benzinpreise dürfte die Nachfrage auch in den kommenden Wochen gedämpft bleiben. Heute veröffentlicht die CFTC Daten zur Marktpositionierung. Da der WTI-Preis in der Berichtswoche um 5 USD gestiegen ist, dürften auch die Netto-Long-Positionen weiter aufgebaut worden sein. Diese befanden sich Mitte Februar bereits auf dem höchsten Niveau seit Mai 2011.


Edelmetalle

Während der Goldpreis seit dem Jahresbeginn unterstützt durch die Schuldenkrise in der Eurozone, negative Realzinsen und eine sehr gute Liquiditätslage gut 13% zulegen konnte, stiegen die Preise für die Weißmetalle Silber und Platin mit 27% bzw. 23% (siehe Grafik) noch deutlich stärker an. Die "Industriemetalle" Silber und Platin verfügen über mehr Potenzial, wenn sich die Konjunktur besser als erwartet entwickelt. Zudem haben beide aus dem Vorjahr gegenüber Gold gewisses Aufholpotenzial.

Open in new window


Bei Silber geben derzeit aus unserer Sicht vor allem Anleger Auftrieb, die sich sowohl an den Terminmärkten als auch über ETFs am Preisanstieg beteiligen. Gestern sind die Bestände des größten Silber-ETFs erneut um 62 Tonnen gestiegen, bleiben aber von den Höchstständen aus dem April 2011 noch weit entfernt.

Auch wenn wir langfristig dem Silberpreis hohes Potenzial einräumen, würde uns eine Preiskorrektur in mittelfristiger Perspektive nicht überraschen. Denn während die Minenproduktion ausgeweitet wird, bleibt die industrielle Nachfrage nicht zuletzt wegen der hohen Preise etwas gedämpft. So sind im Januar die chinesischen Silberimporte, die in den letzten Jahren den Preis stark unterstützt haben, mit 191,7 Tonnen auf den tiefsten Stand seit 2 Jahren gefallen.


Industriemetalle

Der jüngste Rückgang der chinesischen Stahlexporte gepaart mit einer Produktionsausweitung und einer saisonal bedingt zögerlichen Nachfrage ließ die Lagerbestände in den fünf wichtigsten Stahl-Standorten Chinas allein seit Jahresbeginn um 42% auf 8,8 Mio. Tonnen steigen. Es bleibt abzuwarten, ob sich die Nachfrage in den kommenden Wochen wie erwartet erholen wird. Den Hiobsbotschaften aus China steht eine überraschend robuste Entwicklung in den USA gegenüber. In der Vorwoche ist die Stahlproduktion in den USA um 9,1% im Jahres- und um 0,7% im Wochenvergleich auf 1,942 Mio. Tonnen gestiegen. Die US-Stahlimporte, welche im Januar um 23% im Vergleich zum Dezember auf nunmehr 2,55 Mio. Tonnen gestiegen sind, bestätigen ebenfalls eine unerwartet starke Binnennachfrage.

Die an der Shanghaier Börse registrierten Kupferlagerbestände sind erstmals seit Anfang Dezember - wenngleich geringfügig - im Vergleich zur Vorwoche gefallen. Das ist ein erster Hoffnungsschimmer, nachdem der starke Aufbau der dortigen Vorräte zuvor die Sorge geschürt hatte, dass sich die chinesische Nachfrage nach der starken zweiten Jahreshälfte 2011 deutlich abschwächen könnte. Die Vorräte waren immerhin in den letzten drei Monaten um gut 150 Tsd. Tonnen auf gut 215 Tsd. Tonnen gestiegen. Der Lageraufbau war mit ausschlaggebend dafür, dass der Kupferpreis seit einigen Wochen eher seitwärts tendiert.


Agrarrohstoffe

Das US-Landwirtschaftsministerium bestätigte gestern seine Prognose für die US-Maisanbaufläche in diesem Jahr, die mit 94 Mio. Morgen die höchste seit 1944 darstellt. Gleichzeitig wird erwartet, dass ein höheres Angebot an Mais aus Kasachstan und der Ukraine auf den Weltmarkt gelangt. Demgegenüber steht allerdings eine steigende Nachfrage nach Mais aus China.

Dagegen könnte die Nachfrage zur Ethanolherstellung sinken. Aufgrund der schwächeren US-Benzinnachfrage sinkt auch der Ethanolbedarf. Im Erntejahr 2012/13 sollen nur noch 4,95 Mrd. Scheffel Mais zu Ethanol verarbeitet werden, nach 5,0 Mrd. Scheffel im laufenden Erntejahr 2011/12. Damit würde der Anteil der Maisernte, welcher zur Ethanolherstellung verwendet wird, unter die Marke von 40% sinken. Das USDA erwartet daher einen Rückgang der Maispreise im Erntejahr 2012/13 auf 5 USD je Scheffel.

Die weltweite Weizenproduktion wird laut dem International Grains Council im Erntejahr 2011/12 um 6,4 Prozent auf ein Rekordniveau von 695 Mio. Tonnen steigen. Auch die weltweiten Weizenvorräte sollen vor Beginn des neuen Erntejahres 2012/13 ein Rekordniveau von 211 Mio. Tonnen erreichen. Darüber hinaus wird dieses Jahr laut dem USDA die Anbaufläche für Weizen in den USA um 3,5 Prozent auf 58 Mio. Morgen steigen. Die fundamentale Situation ist bei Weizen daher als negativ einzuschätzen, zumal sich auch die Nachfrage weiterhin eher verhalten zeigt.




Bewerten 
A A A
PDF Versenden Drucken

Für den Inhalt des Beitrages ist allein der Autor verantwortlich bzw. die aufgeführte Quelle. Bild- oder Filmrechte liegen beim Autor/Quelle bzw. bei der vom ihm benannten Quelle. Bei Übersetzungen können Fehler nicht ausgeschlossen werden. Der vertretene Standpunkt eines Autors spiegelt generell nicht die Meinung des Webseiten-Betreibers wieder. Mittels der Veröffentlichung will dieser lediglich ein pluralistisches Meinungsbild darstellen. Direkte oder indirekte Aussagen in einem Beitrag stellen keinerlei Aufforderung zum Kauf-/Verkauf von Wertpapieren dar. Wir wehren uns gegen jede Form von Hass, Diskriminierung und Verletzung der Menschenwürde. Beachten Sie bitte auch unsere AGB/Disclaimer!




Alle Angaben ohne Gewähr! Copyright © by GoldSeiten.de 1999-2024.
Die Reproduktion, Modifikation oder Verwendung der Inhalte ganz oder teilweise ohne schriftliche Genehmigung ist untersagt!

"Wir weisen Sie ausdrücklich auf unser virtuelles Hausrecht hin!"