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Edelmetalle Aktuell

30.05.2006  |  Wolfgang Wrzesniok-Roßbach
Edelmetalle wie Gold, Silber, Platin und die Platingruppenmetalle Palladium, Iridium, Osmium, Ruthenium und Rhodium gehören zum Kerngeschäft der W.C. Heraeus GmbH mit Stammsitz in Hanau. Das Tochterunternehmen Heraeus Metallhandelsgesellschaft mbH ist für den weltweiten Handel der Edelmetalle im Konzern tätig. In einem wöchentlich erscheinenden Marktbericht veröffentlicht das Unternehmen einen Marktüberlick in mehreren Sprachen.

  • Gold

Der Goldpreis erholte sich am letzten Montag von den deutlichen Verlusten, die er am Freitag zuvor und an dem Morgen selbst noch im asiatischen Markt erlitten hatte. Zu diesem Zeitpunkt war das Metall auf nur noch 634,70 $ je Unze zurückgefallen und damit auf das niedrigsten der letzten vier Wochen.

Der deutliche Einbruch beim Ölpreis und der Anstieg des Dollars auf 1,2690 gegenüber dem Euro waren die Hauptgründe für die Schwächephase beim gelben Metall. Beide Faktoren waren dann allerdings auch die Hauptursachen, als es am Montagabend und speziell am Dienstag in die andere Richtung ging. Beim Öl waren es Forderungen aus Venezuela nach einer Kürzung der OPEC-Förderung und Warnungen vor einer stärker als sonst ausfallenden Hurrikan-Saison in den USA, welche die Notierungen beflügelten. Der Ölpreis stieg nach diesen Meldungen um beinahe drei Dollars an und das gelbe Metall folgte auf immerhin 672 $ je Unze. Auf diesem Niveau kam es allerdings zu einer weiteren Welle von Gewinnmitnahmen, die nicht zuletzt auch durch wieder fallende Notierungen bei Dollar und Öl angetrieben wurden. Dieses Mal verpasste das gelbe Metall allerdings den vorherigen Wochentiefststand knapp. Nach dieser Achterbahnfahrt und angesichts des jeweils bevorstehenden langen Wochenendes haben sich die Marktteilnehmer danach erst einmal eine ruhigere Phase gegönnt. Bis zum Montagabend driftete das Metall in einem relativ engen Band zwischen 645 und 655 $ je Unze.

Wir erwarten auch für die nächsten Tage eher eine Seitwärtsbewegung, es wäre angesichts dessen, dass am nächsten Montag in wichtigen europäischen Märkten erneut ein Feiertag folgt, eine Überraschung, wenn das Metall die Spanne zwischen 640 und 670 $ je Unze verlassen würde.

Einige Vorsicht ist dennoch angebracht: Vor dem Hintergrund des vergleichsweise geringen Umfangs der Edelmetallmärkte und der geringen Liquidität sind Überraschungen nämlich nie auszuschließen. Im Falle eines Durchbruchs nach unten wäre es deshalb möglich, dass Spekulanten, aber auch längerfristig orientierte Fonds, mit einer weiteren Verkaufswelle reagieren. In diesem Fall könnte es sein, dass sogar die wichtige Unterstützung bei 610 $ je Unze angepeilt würde.

Auf der anderen Seite wäre ein rascher Anstieg über 680 $ je Unze als Signal dafür zu werten, dass das Metall Rückschläge beim Preis im Moment leicht verkraftet und dass der langfristige Aufwärtstrend weiter intakt ist.

In der vergangenen Woche gab es gemischte Nachrichten darüber, wie die Marktteilnehmer den Goldmarkt im Moment einschätzen: Die amerikanische Börsenaufsicht teilt in ihrem wöchentlichen Bericht mit, dass die Fonds einen Teil ihrer Pluspositionen an der New Yorker COMEX abgebaut hätten. Auf der anderen Seite hat ein saudi-arabischer Schmuckhersteller bekannt gegeben, dass man 36 Tonnen Gold von einer nicht näher bezifferten afrikanischen Zentralbank angekauft habe.

Als ein Misstrauensvotum gegenüber dem gelben Metall könnte man auch werten, dass Anglo American in der letzten Woche mitteilte, dass man binnen drei Jahren die noch verbliebenen Anteile am wichtigsten südafrikanischen Goldproduzenten AngloGold Ashanti abgeben wolle. Aktuell hält der in London beheimatete Minenkonzern noch 41,8 Prozent an Anglogold.


  • Silber

Das Silber setzte in den letzten 10 Tagen seinen Abwärtstrend fort, den es schon am 11. Mai, nach dem Erreichen des 25-Jahreshochs bei 15,17 $ je Unze, begonnen hatte. Als das Metall nun am vergangenen Montag seinen vorläufigen Tiefststand bei 11,94 $ je Unze erreicht hat, lag es über 20 Prozent unter dem der Spitzennotierung. Es erholte sich später wieder auf über 13,20 USD, konnte aber, wie schon die anderen Metalle, die Gewinne nicht verteidigen. Am Ende lag es am Freitag bei 12,60 $ je Unze und damit in der Mitte der Handelsspanne der letzten Woche.

Für den Rest der Woche erwarten wir, dass das Metall in einer Spanne zwischen 12,30 und 13,20 $ je Unze verbleibt. Jede deutlichere Bewegung aus dieser Spanne heraus würde einen externen Impuls benötigen, der im Moment aber nicht in Sicht ist.

Der ausstehende Bestand bei dem in den USA neuerdings an der Börse notierten Silber-Fond (silver-ETF) ist in der vergangenen Woche zum ersten Mal seit der Auflegung gefallen. Mitte der Woche lag die abgesetzte Menge noch bei 70 Millionen Unzen, das waren rund 3 Millionen Unzen weniger als der Höchststand. Wir halten es für verfrüht, von einem endgültigen Ende des Kaufinteresses zu sprechen, gleichwohl ist aber klar, dass die Anfangseuphorie nunmehr verflogen ist.

GFMS hat in der vergangenen Woche seine alljährliche Silberstudie "World Silver Survey 2006" veröffentlicht. Die Londoner Marktbeobachter machen in erster Linie die Nachfrage von Investoren für die starken Preissteigerungen der letzten Zeit verantwortlich.

Sie verweisen aber auch auf die Tatsache, dass der Absatz im industriellen Bereich zugenommen habe und dass die Schmuckindustrie zumindest anfänglich auch in der Haussephase keine größeren Einbußen verzeichnete. Die Produktion stieg im letzten Jahr auf 19.954 Tonnen, offizielle Stellen verkauften 2.114 Tonnen, wobei indische Abgaben einen Rückgang der Verkäufe durch China und Russland aufgewogen haben.


  • Platin

Das weiße Metall hatte seinen Abstieg bereits am vorletzten Freitag begonnen, allerdings folgte es lediglich den anderen Edelmetallen. Es erreichte dabei einen vorläufigen Tiefpunkt bei 1.280 $ je Unze. Zu Beginn der vergangenen Woche weiteten sich die Verluste noch einmal aus und das Platin fiel um weitere zehn Dollars je Unze zurück. Aufkommendes Kaufinteresse von Investoren und eine leicht zunehmende Nachfrage seitens der Industrie sorgten dann auf diesem Niveau für eine Trendwende, die das Metall rasch zurück auf über 1.320 $ je Unze hievte. Der anschließende Kollaps des Goldpreises brachte auch dem weißen Metall Verluste, dieses Mal fiel es aber "nur" noch auf 1.275 $ je Unze zurück. Mit den Feiertagen in Europa am letzten Donnerstag und gestern in den USA und in England ist der Handel danach weitgehend zum Erliegen gekommen Der Platinpreis schwankte dabei nur noch in einer vergleichsweise kleinen Spanne zwischen 1.280 und 1.297 USD.

Angesichts der vorläufig eher positiven, fundamentalen Ausgangslage sieht das Metall auf dem aktuellen Niveau vergleichsweise gut unterstützt aus. Kurzfristig erwarten wir deshalb eine Fortsetzung der Konsolidierung in einem Preisband zwischen 1.275 und 1.305 $ je Unze. Mittelfristig wird viel davon abhängen, ob das Metall die untere Grenze dieses Bandes wird verteidigen können. Ein (eher unwahrscheinlicher) Durchbruch könnte weitere Abgaben von Investoren nach sich ziehen. Auch wenn deren Positionen vergleichsweise klein sind, könnte der Preis in einer ersten Reaktion auf 1.260 $ je Unze zurückfallen. Sollte dann auch dieses Niveau nicht halten, wäre sogar ein Rückgang auf bis zu 1.240 $ je Unze denkbar, allerspätestens hier würden wir industriellen Käufern aber empfehlen, über Absicherungsgeschäfte nachzudenken. Auf der anderen Seite der beschriebenen Handelsspanne würde ein Durchbrechen der Marke von 1.305 $ je Unze sicherlich ein positives Zeichen setzen, in einem solchen Fall könnte es zu einem schnellen Test des bisherigen Allzeithochs bei 1.338 $ je Unze kommen.

Was die Nachrichtenlage anging, gab es in der letzten Woche nicht viel Neues. Eine Ausnahme bildete ein Bericht der Nachrichtenagentur Reuters, der einen Einblick in die derzeitige Beurteilung von Platin als Schmuckmetall durch die italienische Schmuckindustrie gab. Der Bericht führte aus, dass mit den aktuellen Preisen die Obergrenze dessen überschritten sei, was im wichtigsten Schmuckbereich, bei Eheringen, noch akzeptiert würde.


  • Palladium

Das weiße Metall hat, seit es am 12. Mai mit 406 $ je Unze sein langjähriges Hoch erreicht hatte, kontinuierlich an Wert verloren. Am vorletzten Freitag erreichte es einen vorläufigen Boden bei 333 $ je Unze, dies war das niedrigste Niveau der letzten beiden Monate. In der vergangenen Woche stieg die Notierung vor dem Hintergrund steigender Notierungen bei Gold und Silber wieder an, mehr als 360 USD erreichte das Metall dabei allerdings nicht mehr.

Charttechnisch liegt das Metall aktuell auf einem kritischen Niveau. Sollte es noch einmal unter 345 $ je Unze fallen, sieht es nach einer längeren Konsolidierungsphase in einer Spanne zwischen 320 und 350 $ je Unze aus. Auf der anderen Seite würde ein rascher Anstieg zurück über 360 USD darauf hindeuten, dass die Schwächephase der letzten zehn Tage nicht mehr als ein vorübergehender Rückschlag war.

Was den Erfolg von Palladium als Schmuckmetall angeht, gab es in der letzten Zeit gemischte Signale. Nach dem guten Abschneiden in China im vergangenen Jahr scheint das weiße Metall nun auch in den USA eine Erfolgsgeschichte zu werden. So gab es Berichte darüber, dass in den nächsten Monaten eine ganze Reihe von Kollektionen aus Palladium auf den Markt kommen würden. In Europa kann das Metall dagegen trotz der hohen Preise für Weißgold und Platin kaum Boden gutmachen. Kommentare von Schmuckherstellern in Italien, die im Rahmen der Schmuckmesse in Vizenca nach ihren Plänen befragt wurden, deuten darauf hin, dass es im Moment keine weitreichenderen Pläne zur Einführung von Palladiumschmuck gibt.



  • Rhodium

Das überwiegend industriell genutzte Edelmetall erreichte in der vergangenen Woche einen vorläufigen Gipfel bei 6.275 $ je Unze. Auf diesem Rekordniveau, dem höchsten Stand seit Juli 1990, kam die Nachfrage dann aber weitgehend zum Erliegen. Auch wenn das Allzeithoch vom 3. Juli 1990 in Höhe von 7.000 $ je Unze diesmal noch deutlich verfehlt wurde, dürfte sich der Durchschnittskurs für Mai dieses Prädikat trotzdem schon verdient haben. Vor 16 Jahren war der Rhodiumpreis nämlich schon zur Monatsmitte wieder weit unter 5.000 $ je Unze gefallen.

Wie schon 1990 gab es aber auch in der vergangenen Woche einen Rückschlag, er fiel diesmal allerdings wesentlich moderater aus. Verantwortlich für den Preisrückgang waren vor allem Händler, die angesichts des fehlenden industriellen Kaufinteresses das Metall immer günstiger anboten. Heute wechselt es von daher bereits unter 6.000 $ je Unze wieder den Besitzer.

Trotz dieses Rückschlags sehen wir im Moment keinen Grund, unsere grundsätzlich positive Haltung zu überdenken. Anders als 1990, damals war ein temporärer Produktionsausfall in Südafrika die Ursache für die Hausse, ist die Rallye diesmal nachfragegetrieben und es gibt wenig Hoffnung, dass es auf dieser Seite zu einer raschen Entspannung kommen könnte.

Iridium und Ruthenium lagen in der letzten Woche beide unverändert bei 400 bzw. 180 $ je Unze. Der Handel mit diesen Metallen verlief absolut ruhig.



© Wolfgang Wrzesniok-Roßbach
Heraeus Metallhandelsgesellschaft mbH











Disclaimer: Die in Edelmetalle Aktuell enthaltenen Informationen und Meinungen beruhen auf den Markteinschätzungen durch die Heraeus Metallhandelsgesellschaft mbH (Heraeus) zum Zeitpunkt der Zusammenstellung. Der Bericht ist nicht für Privatanleger gedacht, sondern richtet sich an Personen, die gewerbsmäßig mit Edelmetallen handeln. Die in diesem Bericht Informationen, Meinungen und Markteinschätzungen unterliegen dem Einfluss zahlreicher Faktoren sowie kontinuierlichen Veränderungen und stellen keinerlei Form der Beratung oder Empfehlung dar, eine eigene Meinungsbildung des Empfängers bleibt unverzichtbar. Preisprognosen und andere zukunftsgerich-tete Aussagen sind mit Risiken und Unwägbarkeiten verbunden und die tatsächlichen Ergebnisse und Entwicklungen können erheblich von den geäußerten Erwartungen und Annahmen abweichen. Heraeus und/oder Kunden können Transaktionen im Hinblick auf die in dieser Ausarbeitung genannten Produkte vorgenommen haben, bevor diese Informationen veröffentlicht wurden. Infolge solcher Transaktionen kann Heraeus über Informationen verfügen, die nicht in dieser Ausarbeitung enthalten sind. Heraeus übernimmt keine Verpflichtung, diese Informationen zu aktualisieren. Diese Ausarbeitung dient ausschließlich der Information des jeweiligen Empfängers. Sie darf weder in Auszügen noch als Ganzes ohne schriftliche Genehmigung durch Heraeus vervielfältigt oder an andere Personen weitergegeben werden. Die in dieser Ausarbeitung enthaltenen oder ihr zugrundeliegenden Informationen beruhen auf für zuverlässig und korrekt gehaltenen Quellen. Heraeus haftet jedoch nicht für die Richtigkeit, Genauigkeit und Vollständigkeit der Informationen sowie für etwaige Folgen ihrer Verwendung. Ferner übernimmt Heraeus keine Gewähr dafür, dass die genannten Preise tatsächlich erzielt worden sind oder bei entsprechenden Marktverhältnissen aktuell oder in Zukunft erzielt werden können.
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