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Wie sollten wir investieren?

11.02.2019  |  John Mauldin
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Ich schließe hier ab mit einigen gewählten Zitaten aus Klarmans Brief. Dabei lasse ich jedoch einige aufrührerische Kommentare außen vor, auch wenn diese nicht weniger der Wahrheit entsprechen.

"Soziale Spannungen bleiben eine Herausforderung für Demokratien weltweit und wir fragen uns, wann sich Investoren dessen bewusst werden. Die kürzlichen Proteste der "Geldwesten" in Frankreich, die sich im Folgenden auf Belgien, die Niederlande und Kanada ausgebreitet haben, begannen als Petition gegen Benzinsteuererhöhungen und wuchsen dann mithilfe der sozialen Medien zu einer massiven Protestbewegung heran, die von städtischen Pendler, Geschäftsführern kleineren Unternehmern und LKW-Fahrern angeführt wurde.

Die Demonstrationen, die scheinbar spontan im ganzen Land ausgebrochen waren, wurden immer großflächiger und sogar gewalttätig. Während die französische Regierung klar besorgt ist - im Dezember machte sie die geplanten Steuererhöhungen rückgängig und kündigte zeitgleich ein höheres Mindestgehalt an - sind die Finanzmärkte relativ locker mit den Unruhen umgegangen, als die französische Zehnjahresanleihe zum Ende des Jahres nur spärliche 70 Basispunkte abwarf ...

Soziale und wirtschaftliche Fortschritte im heutigen Amerika scheinen zunehmend abhängig von Demographie und Geographie zu sein. Die wirtschaftlichen Vorteile, die College-Absolventen genießen, werden immer mehr. Es ist nicht überraschend, dass das Einkommenswachstum in den meisten großstädtischen Gebieten die Zunahmen in den ländlicheren Regionen des Landes übertrifft. Die wirtschaftliche Ungleichheit verschlimmerte sich 2018 weiterhin und für viele sind die Reallöhne seit vielen Jahrzehnten schon nicht mehr gestiegen. Es scheint klar, dass die wirtschaftliche Besorgnis zum Wahlsieg von Donald Trump im Jahr 2016 beigetragen hat.

Die Kluft zwischen den Amerikanern wurde durch die Echokammern der modernen Medien und des Internets weiter verschlimmert. Viele Autoren schrieben darüber, wie ein Amerika dreier Broadcast-Netzwerke innerhalb von nur vier Jahrzehnten zu einem Amerika hunderter Kabelkanäle geworden ist. Vor einigen Jahrzehnten besaßen wir eine geringe Konnektivität, jedoch besseren Anschluss. David Brooks und andere Autoren schreiben regelmäßig über die Herausforderungen zunehmender Einsamkeit und Isolation. Eine Person kann heutzutage tausende Facebook-Freunde haben - und wenige, wenn überhaupt, echte Freunde.

... sollten sich Investoren inmitten dieses Chaos einfach verstecken und ihren Fokus auf den Märkten belassen? Das könnte eine Herausforderung sein. Mithilfe einer Illustration bemerkte CEO Frederick Smith in einer FedEx-Telefonkonferenz am 18. Dezember: "Die meisten Probleme, mit denen wir uns heutzutage beschäftigen, wurden durch schlechte politische Entscheidungen hervorgerufen.

Ich meine damit schlechte Entscheidungen bezüglich neuer Steuern, die Schaffung dieser extrem schwierigen Brexit-Situation, die Flüchtlingskrise in Deutschland, der Merkantilismus und die staatlichen Unternehmensinitiativen Chinas sowie die Zölle, die die USA eigenmächtig erhoben haben. Gehen Sie diese Liste durch und Sie werden herausfinden, dass dies alles Situationen sind, die makroökonomische Abschwächungen verursacht haben."


In diesen Tagen scheinen sich Amerikaner nicht bei sonderlich viel einig zu sein. Einiges spiegelt sich in der heutigen Politik wider: "Deep State" oder engagierte Beamte? "Hexenjagd" oder legitime Untersuchung von Verbrechen? "Fake News" oder freie Presse? "Alternative Fakten" oder Fakten? Versierter Widersacher oder "sperrt sie ein?" Und einiges geht über den politischen Raum hinaus und betrifft wissenschaftliche Fragen und amerikanische Werte. Klimawandel oder "Klimaschwindel?" Flüchtlinge, die Zuflucht suchen, oder "Karawane ausländischer Eindringlinge?"

Spielt das eine Rolle? Wir denken, das tut es. Unseren Oberhäuptern fällt es schwer, uns zu führen, wenn wir uns unserer Werte oder der Art und Weise nicht einig sind, wie wir die Wahrheit bestimmen. Schlimmer noch; unsere Feinde - einschließlich, aber nicht beschränkt auf die russische, autokratische Regierung - verwenden die sozialen Medien und Internet-Posts, um uns zu verwirren und weiter zu entzweien. Sie wissen genau, wie sie uns manipulieren müssen.

Des Weiteren erhöht unser willentlicher Zweifel an Fakten, Wahrheit und Wissenschaft die Wahrscheinlichkeit, dass wir wachsende Bedrohungen nicht erkennen oder nicht ernst nehmen. Im Jahr 1993 stellte Senator Daniel Patrick Moynihan, der einst sagte: "Jeder hat das Recht auf seine eigene Meinung, aber nicht seine eigenen Fakten.", fest, dass Amerika den Begriff "Abartigkeit aufweichen würde." Sein Argument bestand darin, dass Verhalten, das einst als abartig angesehen wurde, nun für akzeptabel befunden wird. Um es anders zu sagen: Heute definieren wir den Begriff Realität anders.

Dieser postfaktische Moment ist ziemlich gefährlich. Stellen Sie sich ein Ereignis vor, das die nationale Sicherheit gefährdet. Werden die Amerikaner bezüglich der Schwere dieser Bedrohung einer Meinung sein? Wenn unsere Landesoberhäupter so ihre Probleme mit der Wahrheit haben, werden die Amerikaner dann der offiziellen Erklärung für die Bedrohung und der Weisheit der vorgeschlagenen Reaktion Glauben schenken? Sollten sie das?

... Wir könnten vehement argumentieren, dass die Demokratie sowie die Freiheiten und Schutzvorkehrungen, die sie mit sich bringt nicht nur für einzelne Bürger von Wichtigkeit ist, sondern auch für Unternehmen und Märkte. In einer Demokratie haben Unternehmen unter dem Gesetz den Vorteil der Gleichbehandlung und das umfasst unvoreingenommene Regulierungen.



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