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Wertinflation

03.08.2020  |  John Mauldin
- Seite 4 -
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Natürlich gibt es Grenzen, was man mit Interesse an Tech-Aktien und einigen hundert oder tausend extra Dollar tun kann. Man braucht eine minimale Menge an Geld, um ein Brokerkonto zu eröffnen. Oder zumindest war es einmal so.


Robinhood tritt auf den Plan

Die Finanzmärkte wurden jahrzehntelang langsam "demokratisiert." In den 1960er Jahren verschafften Investmentfonds der Mittelklasse einen bequemen Weg, ein diversifiziertes Aktienportfolio zu halten. Dann kamen viele andere Investmentfonds, Diskontmakler, börsennotierte Fonds und andere Innovationen hinzu. Alle hatten dieselben Effekte: Mehr Menschen konnten mehr Geld an mehreren Arten von Märkten investieren.

Nun haben wir eine neue Phase dieses Vorgangs betreten: Provisionsfreier Aktienhandel, schnell verfügbar via Handy und in kleinen Mengen. Apps wie Robinhood machen das Investieren einfach und bezahlbar. Dasselbe tun sie für den Tageshandel. Doch während der Vorgang vereinfacht wird, müssen Sie noch immer die richtigen Entscheidungen zum richtigen Zeitpunkt treffen.

Wir haben nun also eine große Zahl kleiner, unerfahrener Investoren mit überschüssigem Bargeld von der Regierung und einer App in den Taschen, die wie ein Videospiel aussieht. Und dann gibt es die Sport-Verbindung, personifiziert von dem nun berühmten Blogger Dave Portnoy, der darauf besteht, dass Aktien nur steigen können und seine Leserschaft dazu anhält, mehr Geld an den Markt zu werfen. Was könnte da schon schief gehen?

Bisher nicht viel. Portnoy lag dieses Jahr größtenteils richtig, was Aktien anging. Seine Leserschaft ist recht klein, jedoch groß genug, um wichtig zu sein. Sie machen eine Teilmenge der roten und rosa Bereiche dieses persönlichen Einkommenscharts aus.

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Erinnern Sie sich daran, dass die Märkte zu Beginn der Coronakrise sehr schwach waren. Februar und März waren volatil, mit mehreren Mini-Crashs. Doch die wichtigen Indices bildeten Böden als der CARES Act verabschiedet wurde und die Regierung damit begann, Stimuli-Geld im April zu verteilen. Seitdem steigen sie.

Die Zahlungen an Einzelpersonen waren nur der Anfang. Zeitgleich pumpte die Federal Reserve große Mengen nicht nur in Staatsanleihen und Behördenwertpapiere, sondern auch in verschiedene private Vermögenswerte, einschließlich Unternehmensanleihen. Doch es ist nicht wichtig, was genau sie erworben haben. Der springende Punkt ist das Bargeld, das sie in die Märkte injiziert haben und seinen Weg zu anderen Assets fand.

Der aktuelle Bullenmarkt ist also eine Art perfekter Cashflow-Sturm. Wir haben ...
  • Legionen neuer Investoren, die Stimuli-Geld dazu verwenden, zu kaufen, was ihnen gefällt.
  • Gelangweilte Zocker, die auf Action aus sind.
  • Große Institutionen, die voller Fed-Liquidität sind.
  • Sowie Trader aller Größen, kleine Investoren bis hin zu monströsen Hedgefonds, die dem Momentum nachjagen - ein perfektes Hexengebräu.

... alles im Kontext der extrem niedrigen Zinsen, die Bargeld und festverzinsliche Assets unattraktiv machen. Man hätte keinen besseren perfekten Sturm designen können, in dem eine Marktmanie erschaffen wird, und das ist es, was wir vorfinden. Wenn das alles von der Fed angetrieben wäre, dann würden wir noch immer einen Bullenmarkt verzeichnen, doch er wäre anders. Institutionelle Investoren ziehen grundlegende Faktoren wie Bewertung und Erträge in Betracht. Sie würden beispielsweise keine große Geldmenge in kleine Cannabis-Aktien investieren.

Derzeit scheint die All-In-Strategie besser zu funktionieren, als die vorsichtigere. Dennoch zeigt die Geschichte, dass die Fundamentaldaten wichtig sind, und viele der heutigen Käufer werden wahrscheinlich nicht mögen, was passiert. Hier ein weiterer Chart von Doug Short und Jill Mislinski vom Stand 6. Juli 2020:

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Wir sehen hier, dass der S&P 500 P/E10 derzeit höher ist als in 94,4% der vergangenen Zeitspannen. Aktien befinden sich in der Zone (und nicht nur darin, sondern deutlich darin), in der Easterling zeigt, dass überdurchschnittliche Erträge unwahrscheinlich sind. Sie liegt über der Spitze von 2007 und nähert sich der Spitze von 1929 an. Der einzig höhere Punkt trat während der Tech-Blase der 1990er Jahre auf. Denken Sie nun an die Google-Suchdaten, die ich Ihnen oben zeigte. Das Interesse an Tech-Aktien ist wieder außergewöhnlich hoch. Die Geschichte wiederholt sich selten so gut, doch es scheint tatsächlich, als könnten wir uns in der Tech-Blase 2.0 befinden (plus Mastercard und Visa).

Zumindest scheint derzeit eine schlechte Zeit zu sein, Aktien zu kaufen, wenn Sie darauf aus sind, diese lange zu halten. Wenn es Ihre Absicht ist, hoch zu kaufen und sogar noch höher zu verkaufen, dann viel Glück. Das könnte funktionieren. Die Geschichte zeigt, dass Manien länger anhalten können, als die meisten Leute glauben. Damals im Jahr 1999 dachte ich, sowie viele andere, dass es keine Möglichkeit gäbe, dass der Bullenmarkt noch weitergehen könne. Dennoch tat er das, wobei sich der Nasdaq tatsächlich 1999 verdoppelte.


Impulsgesteuerter Markt

Überbewertete Märkte fallen nicht von selbst. Üblicherweise tritt etwas als Anstoß auf. Was könnte es diesmal sein? In der medizinischen Welt haben Stimulanzien legitime Verwendungszwecke, doch die Dosis ist wichtig. Zu wenig und man erhält nicht die gewünschte Wirkung. Zu viel kann großen Schaden verursachen. Und sobald man die richtige Dosis gefunden hat, ist ein plötzlich Stopp gefährlich.

Derzeit soll das Arbeitslosengeld noch immer zum Monatsende beendet werden. Verhandlungen sind im Gange, also wird sich im Laufe der nächsten Woche vielleicht mehr ergeben. Doch was passiert, wenn/falls der Stimulus aufhört? Wir sollten bereits realisiert haben, dass der Arbeitsmarkt nicht zu dem Zustand zurückkehren wird, den er vor sechs Monaten hatte. Wir werden nächstes Jahr noch immer Arbeitslosenzahlen auf Rezessions-Niveau verzeichnen. Der Rest der Welt wird taumeln. Diese Ertragsprognosen, die wir oben betrachtet haben? Sie werden größtenteils vollkommen daneben liegen.

Letztlich sind Erträge von Belang. Ebenfalls werden wir letztlich einen Impfstoff oder Herdenimmunität haben. Wir werden anfangen, unsere Isolationszellen zu verlassen. Doch die Welt wird deutlich anders aussehen und Unternehmen, von den kleinsten bis hin zu den größten, werden sich anpassen müssen. Das bedeutet, dass sich die Erträge anpassen müssen.

Die Welt ist bereit, neu bepreist zu werden. Alles wird einen neuen Wert annehmen. Immobilien, Aktien, Rohstoffe, Lebensmittel, medizinische Kosten, College-Gebühren, Regierung, Unterhaltung, Sportveranstaltungen, Kleidung ... alles. Einige Preisanpassungen werden nichtig und andere deutlich sein. Ich erwarte, dass viele von ihnen deflationär sein werden, auch wenn einige Märkte und Dinge deutliche Preiszunahmen verzeichnen werden. "Inflation" im allgemeinen Sinne mag sehr schwierig zu kalkulieren und noch schwieriger zu verstehen sein. Ihre persönliche Inflationsrate wird davon abhängen, was Sie kaufen. Ich glaube wirklich, dass es in Zukunft bessere und deutlich niedrigere Einstiegspunkte geben wird.


© John Mauldin
www.mauldineconomics.com


Dieser Artikel wurde am 24. Juli 2020 auf www.mauldineconomics.com veröffentlicht und exklusiv für GoldSeiten übersetzt.


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