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Zeit der Bullen am Ölmarkt abgelaufen!

06.12.2007  |  Eugen Weinberg
Energie

Der Ölmarkt stand gestern ganz im Zeichen der OPEC-Entscheidung. Wie von uns erwartet ließ das Kartell die Förderquote mit Verweis auf die gute Versorgungslage am Ölmarkt unverändert. Daraufhin ist der Ölpreis um 2 USD gestiegen, was daraufhin deutet, dass der Markt mit einer Anhebung der Quoten gerechnet hatte. Jedoch setzte sich danach aus unserer Sicht die Einschätzung durch, dass die OPEC auch deswegen die Produktion nicht erhöhen würde, weil es dafür derzeit keine Abnehmer gibt und eine Konjunkturverlangsamung die Ölnachfrage dämpfen wird. Der Ölpreis gab daraufhin wieder 1,5 USD ab. Um 16:30 wurden gestern auch noch die US-Lagerbestände für Rohöl und Ölprodukte gemeldet. Die Konsensschätzungen für Rohöl hatten wie von uns zuvor angemerkt den stark negativen Effekt durch den Pipeline-Ausfall in Minnesota wegen der Explosion deutlich unterschätzt. Statt den erwarteten 1,25 Mio. Barrel sind die Lagerbestände um über 7,9 Mio. Barrel gefallen.

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Die Benzin-Bestände nahmen um 4 Mio. Barrel zu, die für Destillate um über 1,4 Mio. Barrel. Erwartet waren ein Anstieg bei Benzin um lediglich 620 Tsd. Barrel und sogar ein Rückgang von 300 Tsd. Barrel bei Destillaten. Nach der ersten sehr positiven Reaktion, als der Preis fast auf das Tageshoch gestiegen war, fiel er anschliessend stark zurück und schloss sogar rund 1 USD im Minus. Wir interpretieren die jüngsten Lagerbestandsdaten für Ölprodukte negativ, weil sie aus unserer Sicht auf einen Nachfrageschock aufgrund der hohen Preise hindeuten.

Beim Rückgang der Rohöl-Bestände handelt es sich dagegen um eine kurzfristige Unterbrechung, mittlerweile wurden die Lieferungen durch die Kanada-Pipeline wieder aufgenommen. Zudem kam noch die US-Dollar Stärke. Dieser konnte zuletzt gegenüber dem Euro 1,5 Cent gewinnen und notiert derzeit unter 1,46 USD/EUR. Die Tankerraten für Öltanker sind in Asien wegen der rückläufigen japanischen Lagerbestände sowie der steigenden Nachfrage aus China auf ein 11-Monatshoch geklettert. Die mehr als ausreichende Ölversorgung der USA und eine robuste Nachfrage im asiatischen Raum erklären auch teilweise die negative Preisdifferenz zwischen den Preisen für die Sorten WTI und Brent. In den nächsten Tag dürften beide Preise weiter fallen.

Der US-Gaspreis konnte sich am gestrigen Handelstag leicht auf 7,20 USD erholen. Heute Nachmittag werden die US-Erdgaslagerbestände gemeldet. Der Konsens rechnet mit einem Minus von 80 Mrd. Kubikfuß nach einem Rückgang von 12 Mrd. Kubikfuß in der Vorwoche.


Edelmetalle

Der Goldpreis kam gestern Nachmittag im Zuge des stark anziehenden US-Dollar spürbar unter Druck und fiel heute Morgen kurzfristig bis auf 791 USD. Für die kurzfristige Entwicklung dürfte der US-Dollar sicher der wichtigste Preisbestimmungsfaktor bleiben. China wird spätestens im nächsten Jahr zum größten Goldförderer der Welt aufsteigen. Allerdings ist die Stimmung dort keineswegs optimistisch, da laut Zijing Mining Group, dem größten chinesischen Goldproduzenten, die vorhandenen Reserven eine Restlebensdauer von lediglich sechs Jahren haben. Es wird chinesischen Goldproduzenten daher geraten in anderen Ländern zu investieren. DRDGold Ltd. teilte mit, dass die Produktion in ihren südafrikanischen Minen wegen zahlreicher operativer und technischer Probleme voraussichtlich um weitere 15% fallen wird. Im dritten Quartal hat die Gesellschaft in Südafrika 89,2 Tsd. Unzen Gold produziert. Wir rechnen jedoch damit, dass spätestens nach der erwarteten Zinssenkung in den USA am 11. Dezember wieder neuer Schwung in den Goldmarkt kommen dürfte.


Industriemetalle

Kupfer fiel heute Morgen in Shanghai, nachdem unter den Marktteilnehmern die Sorge aufkam, dass China im nächsten Jahr die Geldpolitik deutlich stärker straffen wird. Bereits in diesem Jahr wurden die chinesischen Leitzinsen fünf Mal erhöht. Xstrata, der viergrößte Kupferproduzent weltweit, plant seine Produktion in den bestehenden Anlagen in den kommenden fünf Jahren zu verdoppeln. Damit sollte die Produktion bis 2013 auf 2 Mio. Tonnen steigen. Auch will die Gesellschaft die Nickelproduktion, insbesondere in der Reglan-Mine in Quebec, Kanada, deutlich erhöhen. Dort soll sich die Produktion bis zum Jahr 2013 verdoppeln, wobei allein diese Mine 50.000 Tonnen Nickel jährlich produzieren wird. Aus unserer Sicht sollten die starken Expansionspläne der Minengesellschaften die Preisfantasie bei Industriemetallen stark eindämmen.

Das Australian Bureau of Agricultural and Resource Economics kürzte die Zinkpreisprognose um 45% auf 1780 von zuvor 2875, weil man damit rechnet, dass neue Produktion auf den Markt kommt und das Angebot die Nachfrage übersteigen wird. Zink notiert bereits über 47% unter dem Allzeithoch von November 2006.


© Eugen Weinberg
Senior Commodity Analyst

Quelle: Commerzbank AG, Corporates Markets





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