Märkte: Keine klaren Linien
21.07.2025 | Folker Hellmeyer
EUR/USD eröffnet bei 1,1623 (05:55 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,1612 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 148,46. In der Folge notiert EUR-JPY bei 172,57. EUR-CHF oszilliert bei 0,9320.Märkte: Keine klaren Linien
An den Finanzmärkten kommt es zu keinen klaren Tendenzen. Die Märkte mäandern auf den etablierten Niveaus. Das Risikocluster wird zurecht als komplex und umfassend wahrgenommen, ob in der Geopolitik oder in den Zollkonflikten.
Bezüglich der Geopolitik gibt es Hoffnungsschimmer. Das Thema Gesprächsbereitschaft sowohl im Atomkonflikt mit dem Iran als auch in der Ukraine-Krise rückt aktuell in den Fokus. Ergo ergeben sich Hoffnungswerte, mehr aber auch nicht.
Auch in den US-Zollkonflikten mit dem Rest der Welt ergeben sich Hoffnungswerte. So geht der US-Handelsbeauftragte Lutnick davon aus, dass es zu einem "Deal" zwischen der EU und den USA kommen wird. US-Präsident Trump drängt laut Bericht der FT bei dem geplanten Handelsabkommen mit der EU auf einen Mindestzoll in Höhe von 15% - 20%. Dem Blatt zufolge zeigt sich Trump vom jüngsten EU-Angebot zur Senkung der Autozölle unbeeindruckt. Er wolle die in diesem Sektor geplanten Abgaben bei 25% belassen.
Kommentar: Das Thema 30% Zölle scheint vom Tisch zu sein. Das ist positiv. Schauen wir mal! Das Datenpotpourri (siehe unten) war tendenziell unterstützend. Die Leistungsbilanz der Eurozone wies einen hohen Aktivsaldo aus. In den USA verbesserte sich die Verbraucherstimmung nach Lesart der Universität Michigan und US-Neubaubeginne setzten zarte positive Akzente.
Aktienmärkte: Late Dax -0,84%, EuroStoxx 50 -0,81%, S&P 500 -0,01%, Dow Jones -0,32%, NASDAQ 100 -0,07%. Aktienmärkte in Fernost Stand 06:28: Uhr: Nikkei (Japan) geschlossen, CSI 300 (China) +0,24%, Hangseng (Hongkong) +0,28%, Sensex (Indien) +0,38% und Kospi (Südkorea) +0,56%. Rentenmärkte: Die 10-jährige Bundesanleihe rentiert heute früh mit 2,69% (Vortag 2,68%), während die 10-jährige US-Staatsanleihe eine Rendite in Höhe von 4,43% (Vortag 4,44%) abwirft.
Devisenmärkte: Der EUR (-0,0005) war im Tagesvergleich gegenüber dem USD kaum verändert. Gold (+16,00 USD) und Silber (+0,06 USD) legten gegenüber dem USD leicht zu. Der Bitcoin notiert bei 118.440 USD (06:06 Uhr). Gegenüber der Eröffnung am Vortag ergibt sich ein Rückgang um 1.820 USD.
G-20 "reüssiert" in Durban mit Abschlusspapier!
Die Finanzminister der G-20 Länder haben sich bei ihrem Treffen im südafrikanischen Durban auf ein Abschlussdokument geeinigt. "Chapeau!" In dem veröffentlichten Papier heißt es, die Weltwirtschaft stehe vor komplexen Herausforderungen und sei mit starken Unsicherheiten konfrontiert. Als Beispiele wurden anhaltende Kriege und Konflikte genannt, ebenso wie Spannungen im Handel und bei den Lieferketten sowie hohe Schuldenstände und häufige Extremwetter-Ereignisse.
Kommentar: Die Aufzählung ist komplett!
Strukturreformen seien eine wesentliche Voraussetzung für ein starkes Wirtschaftswachstum und die Schaffung von mehr und besseren Arbeitsplätzen, heißt es in der Erklärung.
Kommentar: Danke, darauf weisen wir lange hin (Aristoteles!). Das gilt für jedes einzelne Land und es gilt auch für supranationale Veranstaltungen!
Zudem wurde die Notwendigkeit betont, die internationale Zusammenarbeit zu stärken. Die Unabhängigkeit von Notenbanken wurde als entscheidend bezeichnet, um Preisstabilität zu gewährleisten.
Kommentar: Internationale Kooperation basiert auf Diplomatie! Welche Region der Welt verweigert sich der Kunst der Diplomatie? Erwartet der Westen vom Globalen Süden Unterordnung? Wer hat mehr Hausaufgaben zu machen?
Die Unabhängigkeit der Zentralbanken ist nicht nur ein Problem in den USA. Die EZB hat sich beispielsweise der grünen Politik verschrieben und hat damit den Pfad der Politik längst beschritten. Die Politisierung von an sich der Neutralität verpflichteten Institutionen ist ein Kernproblem der wahren Demokratie! Von welcher politischen Seit wird dieser "Marsch durch die Institutionen“ (Rudi Dutschke 1967!) eigentlich betrieben?
Dazu Wikipedia: „Der Marsch durch die Institutionen ist eine 1967 von Rudi Dutschke artikulierte Methode, die eine langfristige politisch-strategische Perspektive der damals noch hauptsächlich studentisch geprägten Protestbewegung in einem inhaltlich linkssozialistisch gemeinten Sinn, den später ideologisch zunehmend heterogenen Konzepten der sogenannten Neuen Linken folgend, anmahnte. ..."
Die G20-Dokumente sind nicht bindend und oft auch vage in der genauen Formulierung. Teilnehmer sagten, aus Rücksicht auf die USA würden Zölle nicht als schädlich bezeichnet. Zudem werde der Begriff Klimawandel vermieden.
Kommentar: Wie kann ein Fazit lauten? Es wurden Allgemeinplätze eingenommen. Substantiell gibt es nichts, was berichtenswert wäre. Positiv ist, dass man miteinander redet. Für mich war es eine Chance, das bedeutende Thema "Marsch durch die Institutionen" unterzubringen. Wie schrieb ich noch in "Endlich Klartext“ 2007: "Zuerst verlieren wir die freien Märkte, dann die Demokratie!" (Buch nur noch auf Zweitmarkt erhältlich, Link).