Suche
 
Folgen Sie uns auf:

Preiserholung nur kurzfristiger Natur

28.09.2011  |  Eugen Weinberg
Energie

Die Ölpreise können ihre gestern erzielten Gewinne verteidigen, allerdings nicht mehr weiter zulegen. Brent handelt am Morgen bei 107 USD je Barrel, WTI bei 84 USD je Barrel. Die Preisdifferenz zwischen den beiden Ölsorten hat sich zwischenzeitlich auf weniger als 23 USD verringert, obwohl das API am Abend einen Anstieg der US-Rohöllagerbestände um 568 Tsd. Barrel berichtete. Die Cushing-Bestände gingen angesichts einer deutlich gestiegenen Raffinerietätigkeit allerdings um gut 1 Mio. Barrel zurück, was angesichts der attraktiven Verarbeitungsmargen in der Region Cushing nicht überraschend ist und die Spreadeinengung begünstigt haben dürfte.

Die Raffinerieauslastung stieg landesweit um 1,5 Prozentpunkte, was im Umkehrschluss einen massiven Lageraufbau bei Benzin um 4,6 Mio. Barrel zur Folge hatte. Das US-Energieministerium veröffentlicht die offiziellen Lagerdaten am Nachmittag. Hier wird mit einem Lageraufbau bei Rohöl um 2,1 Mio. Barrel gerechnet. Das Risiko liegt bei einem noch stärkeren Anstieg, nachdem die Rohölvorräte in der Vorwoche um 7,3 Mio. Barrel gesunken waren. Der Lagerabbau ließ sich nur zur Hälfte mit niedrigeren Importen und einer höheren Raffinerieverarbeitung erklären.

Es ist daher gut möglich, dass ein Teil der Rohölbestände nicht erfasst wurden und erst in dieser Woche sichtbar werden. Sollte es wie im API-Bericht zu einem deutlichen Anstieg der Raffinerieauslastung kommen, dürften die Produktvorräte entsprechend ansteigen. Zwar sind die Benzinpreise in der vergangenen Woche spürbar gesunken, was die Nachfrage etwas gestützt haben dürfte. Am grundlegenden Bild einer verhaltenen Nachfrageentwicklung dürfte dies allerdings nichts ändern.


Edelmetalle

Nach den Zentralbanken in Entwicklungsländern könnten sich nun auch die europäischen Zentralbanken zu Netto-Käufern am Goldmarkt entwickeln. Im vorgestern zu Ende gegangenen zweiten Jahr des aktuellen Zentralbankgoldabkommens (CBGA III) haben diese nur noch 1,1 Tonnen Gold verkauft. Die Verkäufe waren damit das vierte Jahr in Folge stark rückläufig. Laut Daten des World Gold Council entspricht dies der geringsten Menge, seit das erste Goldabkommen 1999 ins Leben gerufen wurde (Grafik des Tages).

Open in new window


Möglich wären Verkäufe von 400 Tonnen gewesen. Somit entfällt mehr und mehr diese ehemals hohe Angebotskomponente am Goldmarkt. Der Internationale Währungsfonds hat im selben Zeitraum im Rahmen seines mittlerweile abgeschlossenen Verkaufsprogrammes 52,2 Tonnen Gold verkauft. Auf globaler Ebene haben die Zentralbanken im ersten Halbjahr 2011 bereits 192,3 Tonnen Gold netto gekauft. Der Goldpreis dürfte von dieser Seite her mittel- bis langfristig gut unterstützt sein.

Der starke Preisrückgang von Gold der vergangenen Tage wird offensichtlich zu verstärkten physischen Goldkäufen genutzt. Insbesondere aus Indien, wo die Feiertagssaison unmittelbar bevorsteht, wird eine hohe Nachfrage gemeldet. Einige lokale Händler sprechen bereits von Lieferengpässen. In den Daten der Gold-ETFs ist die höhere Nachfrage allerdings noch nicht erkennbar. Der SPDR Gold Trust verzeichnete gestern den zweiten Tag in Folge Abflüsse von rund 5 Tonnen.


Industriemetalle

Gestern kam es an den Metallmärkten zu einer Erholungsrallye, die die Preise teilweise um bis zu 8% nach oben zog. Getrieben wurde die Rallye durch sehr feste Aktienmärkte und einem schwächeren US-Dollar. Der Risikoappetit der Marktteilnehmer nahm spürbar zu nachdem Gerüchte aufkamen, dass für europäische Banken ein Rettungsfonds nach US-amerikanischem Vorbild zur Rekapitalisierung der Banken erwogen wird. Heute Morgen überwiegen allerdings bereits wieder die negativen Vorzeichen.

Im Zuge des starken Preisverfalls der vergangenen Tage sind beispielsweise Aluminium und Zink zeitweise unter die Marke für die Grenzkosten der Produktion gefallen. Diese werden in China bei Aluminium auf rund 2.200 USD und bei Zink auf 2.000 USD je Tonne taxiert. In der Vergangenheit wurde diese Marke vor allem bei Aluminium vom Reich der Mitte, dem weltweit größten Aluminiumproduzenten, verteidigt und Kapazitäten entsprechend vorübergehend stillgelegt. Dies dürfte auch diesmal der Fall sein, sollte der Preis länger unter 2.200 USD fallen. Im Falle von Zink dürfte es sich ähnlich verhalten. Bei beiden Metallen ist es zudem relativ einfach, kurzfristig Produktion aus dem Markt zu nehmen und auch wieder hinzuzufügen. Wir gehen daher nicht davon aus, dass Aluminium und Zink längerfristig unter 2.200 USD bzw. 2.000 USD je Tonne handeln sollten.


Agrarrohstoffe

Seit Beginn der Ernte im April wurden in der laufenden Saison in der brasilianischen Hauptanbauregion Center-South 10% weniger Zuckerrohr geerntet als in der gleichen Periode der Vorsaison. Dies gab die Zuckerindustrievereinigung UNICA gestern bekannt. Mit gut 23 Mio. Tonnen wurde bisher 8% weniger Zucker erzeugt als in der Vorjahresperiode. Ein stärkerer Rückgang wurde dadurch verhindert, dass der Anteil des Zuckerrohrs, der in die Zuckerproduktion fließt, von 45% auf 48% gestiegen ist. Ein großer brasilianischer Zuckerexporteur äußerte die Erwartung, dass Brasilien in 2011 mit knapp 22 Mio. Tonnen 12% weniger Zucker als in 2010 exportieren wird.

Die Notierungen für Rinder liegen nach dem Einbruch im Mai inzwischen wieder nahe ihren Rekordständen vom April. Hohe Nachfrage aus Südkorea und Japan, wo Tierkrankheiten bzw. die Erdbeben- und Nuklearkatastrophe das (sichere) heimische Angebot beschränken, hat die US-Exporte beflügelt. In den sieben Monaten bis Juni exportierten die USA 27% mehr Rindfleisch als in der Vorjahresperiode. In den vier Wochen zum 15. September lagen die Exporte sogar um 55% über dem Vorjahresniveau. Hohe Produktionskosten und die außergewöhnliche Dürre im Rinderstaat Texas dürften außerdem dafür sorgen, dass das US-Rinderangebot zurückgeht. In der vergangenen Woche berichtete das USDA von einem Rückgang der neuen Mastrinder im August um 0,8% gegenüber dem Vorjahr.


Terminkurven ausgewählter Rohstoffe: aktuell, vor einer Woche und vor einem Monat

Open in new window
Open in new window


© Eugen Weinberg
Senior Commodity Analyst

Quelle: Commerzbank AG, Corporates Markets





Diese Ausarbeitung dient ausschließlich Informationszwecken und stellt weder eine individuelle Anlageempfehlung noch ein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder sonstigen Finanzinstrumenten dar. Sie soll lediglich eine selbständige Anlageentscheidung des Kunden erleichtern und ersetzt nicht eine anleger- und anlagegerechte Beratung. Die in der Ausarbeitung enthaltenen Informationen wurden sorgfältig zusammengestellt. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit kann jedoch nicht übernommen werden. Einschätzungen und Bewertungen reflektieren die Meinung des Verfassers im Zeitpunkt der Erstellung der Ausarbeitung und können sich ohne vorherige Ankündigung ändern.



Bewerten 
A A A
PDF Versenden Drucken

Für den Inhalt des Beitrages ist allein der Autor verantwortlich bzw. die aufgeführte Quelle. Bild- oder Filmrechte liegen beim Autor/Quelle bzw. bei der vom ihm benannten Quelle. Bei Übersetzungen können Fehler nicht ausgeschlossen werden. Der vertretene Standpunkt eines Autors spiegelt generell nicht die Meinung des Webseiten-Betreibers wieder. Mittels der Veröffentlichung will dieser lediglich ein pluralistisches Meinungsbild darstellen. Direkte oder indirekte Aussagen in einem Beitrag stellen keinerlei Aufforderung zum Kauf-/Verkauf von Wertpapieren dar. Wir wehren uns gegen jede Form von Hass, Diskriminierung und Verletzung der Menschenwürde. Beachten Sie bitte auch unsere AGB/Disclaimer!




Alle Angaben ohne Gewähr! Copyright © by GoldSeiten.de 1999-2024.
Die Reproduktion, Modifikation oder Verwendung der Inhalte ganz oder teilweise ohne schriftliche Genehmigung ist untersagt!

"Wir weisen Sie ausdrücklich auf unser virtuelles Hausrecht hin!"