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Edelmetalle Aktuell

07.05.2007  |  Wolfgang Wrzesniok-Roßbach
Edelmetalle wie Gold, Silber, Platin und die Platingruppenmetalle Palladium, Iridium, Osmium, Ruthenium und Rhodium gehören zum Kerngeschäft der W.C. Heraeus GmbH mit Stammsitz in Hanau. Das Tochterunternehmen Heraeus Metallhandelsgesellschaft mbH ist für den weltweiten Handel der Edelmetalle im Konzern tätig. In einem wöchentlich erscheinenden Marktbericht veröffentlicht das Unternehmen einen Marktüberlick in mehreren Sprachen.


  • Gold

Der Goldpreis fiel in den ersten drei Tagen der vergangenen Woche von 682,- $ je Unze am Montag auf einen Tiefstkurs von 667,50 $ je Unze am Mittwoch. Das Fehlen physischer Nachfrage auf Grund des Feiertags am 1. Mai in Europa und der Goldenen Woche in Asien, sowie Notverkäufe von Spekulanten aufgrund des Durchbrechens diverser charttechnischer Unterstützungslinien waren die Hauptursache für die Verluste. Die Investoren kehrten jedoch am Donnerstag auf den Markt zurück, nachdem sich das Umfeld deutlich verbessert hatte.

Rein charttechnisch betrachtet, können die Notierung nun weiter steigen und dies trotz eines festeren Dollars und eines schwächeren Ölpreises, die beide an sich einen eher negativen Einfluss haben sollten. Offensichtlich überwiegen im Moment aber andere Faktoren, wie z. B. das Verlassen des abwärts gerichteten Trendkanals, der sich in den letzten zehn Tagen herausgebildet hatte, nachdem das gelbe Metall noch in der dritten Aprilwoche ein neues Zwölfmonatshoch erreicht hatte.

Angesichts dessen, dass die Notierung nun wieder bei knapp 690,- $ je Unze liegt, gibt es nur wenige Hürden, die noch einen Anstieg auf den Höchstkurs vom April und danach dann einen Test der Marke von 700,- $ je Unze verhindern könnten. Positiv dürfte sich dabei auch auswirken, dass die asiatischen Marktteilnehmer mit dem heutigen Montag wieder auf den Markt zurückgekehrt sind.

Der hohe Goldpreis bedeutet gute Nachrichten für die internationalen Minengesellschaften. Am Freitagmorgen berichtete Anglogold Ashanti, der weltweit drittgrößte Goldproduzent, dass sich die Erträge im ersten Quartal verdoppelt hätten, während die Goldproduktion selbst um zehn Prozent auf 1,33 Millionen Unzen gefallen sei. Die Produktionskosten hätten in diesem Zeitraum bei 332,- $ je Unze gelegen, die durchschnittlichen Erlöse dagegen bei 602,- $ je Unze. Die Menge der noch immer vorhandenen Terminsicherungsgeschäfte wurde in dem betreffenden Quartal weiter auf nun noch 9,59 Millionen Unzen reduziert.

Der Lokalrivale Gold Fields schnitt dagegen weniger gut ab. Die Erlöse wuchsen insbesondere auf Grund stark gestiegener Kosten deutlich weniger als Analysten erwartet hatten. Die Aufwendungen stiegen im Vergleich zum 1. Quartal des Vorjahres um 36 Prozent auf 92.490 Rand je Kilo, die Produktion fiel auf 989.000 Unzen. Für die laufende Dreimonatsperiode erwarten die Südafrikaner, die sich traditionell nicht über Termingeschäfte absichern, aber wieder einen Anstieg der Produktion auf über 1 Million Unzen. Dies sollte theoretisch zu einer Verringerung der durchschnittlichen Produktionskosten führen. Die Firma verwies aber schon jetzt auf mögliche Gefahren auf der Kostenseite durch einen höheren Ölpreis und steigende Stahlpreise, welche die an anderer Stelle gemachten Fortschritte zunichte machen könnten.

Barrick, der weltgrößte Goldproduzent, teilte in der vergangenen Woche mit, dass die Produktion im letzten Quartal über zwei Millionen Unzen betragen habe. Die durchschnittlichen Kosten hätten bei 313,- $ je Unze gelegen. Die erzielte Marge hat allerdings nicht ausgereicht, um das Ausweisen eines Verlustes für das vergangene Quartal zu vermeiden. Ursache hierfür war ein Aufwand in Höhe von 557,- $ Millionen für ein teilweises Schließen der noch ausstehenden Terminsicherungsgeschäfte.


  • Silber

Das weiße Metall muss in den letzten zehn Tagen einen deutlichen Rückschlag hinnehmen, nachdem es zweimal vergeblich versucht hatte, das Aprilhoch bei 14,10 $ je Unze zu übersteigen. Dieser Umstand führte zu einer umfangreichen Liquidation von Pluspositionen, die das Metall am Ende auf 13,- $ je Unze absacken ließen. Dies war das niedrigste Niveau seit dem 2. April, als das Silber kurzzeitig auf 12,97 $ je Unze gefallen war. Wie auch damals schon, konnte sich die Notierung allerdings rasch erholen und so liegt die Notierung aktuell wieder bei über 13,40 $ je Unze.

Was die nächsten Tage angeht, muss das Silber nun die Marke von 13,55 $ je Unze übersteigen, um wieder Fahrt aufnehmen zu können. Auf der andere Seite sehen wir angesichts dessen, dass der sich erholende Goldpreis Unterstützung verleiht und auch die jüngsten Nachrichten über den Zustand in der US-Wirtschaft besser als allgemein erwartet ausgefallen sind, keine Gefahr, dass die Notierung kurzfristig unter den Tiefstkurs der vergangenen Woche in Höhe von 13,- $ je Unze fallen könnte.

Coeur d’Alene teilte derweil am Donnerstag mit, dass es zwei andere Silberproduzenten in Australien und Mexiko für 1,1 Milliarden $ in bar und in Aktien übernehmen wolle. Auf diese Weise würde einer der größten Silberproduzenten der Welt entstehen. Coeur teilte mit, dass die kombinierte Firma über Reserven in Höhe von 364 Millionen Unzen verfügen würde und dass die Produktion bis 2009 um 50 Prozent auf dann jährlich 32 Millionen Unzen steigen solle.


  • Platin

Am Freitagnachmittag sprang das Platin noch einmal um fast 30,- $ auf 1.322,- $ je Unze an. Dies war das höchste Niveau der vergangenen zwei Wochen. Auch heute Morgen setzte sich der Anstieg weiter fort. Meldungen über einen besser als allgemein erwartet ausfallenden Autoabsatz in den USA sorgten für einen Nachfrageschub auch auf Seiten der Spekulanten. Der Anstieg am Freitag war durch Käufe einer Investmentbank verursacht, er beschleunigte sich noch, nachdem Händler sich gezwungen sahen, auf dem Weg nach oben ihre spekulativen Minuspositionen zu schließen. Das Metall befindet sich auf dem aktuellen Niveau wieder deutlich innerhalb des nun schon sechs Monate alten Aufwärtstrends und es erscheint alles andere als unmöglich, dass der nächste Widerstand bei 1.355,- $ je Unze in Kürze genommen wird. Spätestens dann wäre der Weg endgültig frei für einen Anstieg auf das November-Hoch bei 1.400,- $ je Unze.

Bevor das Metall in der vergangenen Woche zu seinem Höhenflug ansetzte, war es kurzzeitig unter Druck geraten. Am vergangenen Montag erreichte es dabei im Zuge allgemein fallender Edelmetallpreise einen Tiefstkurs von 1.280,- $ je Unze.

Die sich daran anschließende Erholung war nicht nur beim Platin, sondern bei sämtlichen Industriemetallen eine Folge von besser als erwartet ausgefallenen US-Wirtschaftsdaten. So fielen überraschend die Arbeitslosenzahlen, während die Daten zur Produktivität der amerikanischen Wirtschaft stiegen. Auch die Auftragseingänge waren am Ende besser als von Analysten vorhergesagt. Angesichts dieser Daten erholte sich der Dollar von seinem jüngsten Einbruch auf 1,3682 gegenüber dem Euro auf 1,3550 am Freitagmorgen. Normalerweise wäre eine solche Bewegung negativ für die Edelmetalle gewesen, allerdings überwog in der vergangenen Woche wohl die Hoffnung auf einen stärkeren industriellen Absatz und die Kurse fielen deshalb nicht.

Weitgehend ignoriert wurden auch Anzeichen, dass die russischen Exporte schon in nächster Zukunft wieder aufgenommen werden könnten. Das Material aus Russland könnte aber etwas Druck auf die Leiheraten ausüben, sowie auf die sich auf langjährigen Höchstständen befindenden Prämien für Platinschwamm.

Was die weitere Preisentwicklung angeht, gab es auch aus der Minenindustrie in der vergangenen Woche keine Meldungen, die auf eine Änderung der Großwetterlage hindeuten könnten. So ist im vergangenen Quartal die Platinmetallproduktion bei dem englisch-südafrikanischen Minenunternehmen Lonmin Plc. im Vergleich zum Vorjahr um 28 Prozent auf 513.278 Unzen gesunken. In erster Linie litt das Unternehmen unter den Problemen mit seinem primären Schmelzofen. Lonmin, die Firma ist weltweit drittgrößter Produzent von Platinmetallen, teilte hierzu allerdings mit, dass die Reparaturen an dem Ofen abgeschlossen seien und er nun wieder langsam
in Betrieb ginge.

Während der drittgrößte Platinproduzent vor allem mit technischen Schwierigkeiten kämpft, gibt es bei der Nummer vier, Northam Mining, vor allen Probleme im Personalbereich. Nach Auskunft von Gewerkschaftsfunktionären befinden sich bei der Minengesellschaft seit dem 29. April tausende von Arbeitnehmern im Streik. Northam teilte hierzu mit, dass das Unternehmen bis jetzt 3,4 Millionen $ an Gewinnen eingebüßt habe und dass es einen Produktionsausfall bei den Platinmetallen in Höhe von täglich 1.100 Unzen gäbe.

Angesichts der Masse von negativen Nachrichten für die industriellen Endverbraucher ist es wenigstens tröstlich, dass der in London in der letzten Woche erstmals notierte Platin-ETF nur verhalten startete. Seit dem 24. April, dem Tag der Erstnotiz, wurden bis jetzt nur 6.000 Unzen von diesem Produkt abgesetzt. Etwas besser sah es beim Palladium aus, hier betrugen die Verkäufe 14.500 Unzen, relativ gesehen am schlechtesten schnitt der Silber-ETF ab, von dem nur 455.000 Unzen von Investoren nachgefragt wurden. Im Vergleich dazu liegt der in New York notierte Silber-ETF bei inzwischen 136 Millionen Unzen.

Der verhaltene Beginn bei den Londoner ETFs bestätigt unserer Ansicht nach, dass der mit Abstand wichtigste Markt für ETFs die USA sind. Solange es deshalb kein Platin-ETF in New York gibt, sollten der Einfluss der bereits verwirklichten und auch der noch geplanten derartigen Investorenprodukte beherrschbar sein.

Insgesamt bereitet sich der Platinmarkt mit Hochdruck auf die "Platinwoche" in London vor, die am nächsten Montag, dem 14. Mai, beginnen wird. Marktbeobachter erwarten für dieses Jahr eine Rekordzahl an Teilnehmern, welche die verschiedenen Veranstaltungen der Vereinigung der Londoner Platinhändler (LPPM) und einer Reihe von Handelshäusern besuchen wird. Die hohe Teilnehmerzahl ist ohne Zweifel eine Folge des deutlich gestiegenen Interesses an den seltenen, aber gleichwohl unverzichtbaren Platinmetallen.


  • Palladium

Palladium handelte in der vergangenen Woche in einer engen Spanne zwischen 366,- $ und 374,- $ je Unze. Anderes als die anderen Metalle, war es dabei nicht in der Lage, bis zum Freitag den Höchstkurs vom vergangenen Montag zu übersteigen. Dies ist sicherlich auch eine Folge der massiven physischen Vorräte, die das Palladium sehr stark von seinen Schwestermetallen Platin und Rhodium unterscheidet. Anderes als im Falle dieser beiden Metalle, waren die russischen Palladiumexporte in den letzten Monaten auch nicht unterbrochen und es gab so für einen reibungslosen Zufluss an physischem Material auf den Weltmarkt.

Der Grund, warum das Metall trotzdem nicht weit von den Höchstkursen von vor einem Jahr entfernt handelt, ist die gute Investmentnachfrage. Mittelfristig rechnen wir damit, dass dieser Trend andauern wird und dass dies in absehbarer Zeit dann auch die wichtigste Stütze für den Palladiumpreis sein dürfte. Nicht auszuschließen ist, dass die Notierung in diesem Umfeld das Jahreshoch von 2006 bei 407,- $ je Unze wieder erreichen wird. Auf unteren Seite befinden sich aktuell charttechnische Unterstützungslinien bei 364,- $ je Unze und 356,- $ je Unze und wir empfehlen industriellen Endverbrauchern auf diesen Niveaus erste Kauforders zu platzieren.


  • Rhodium

Trotz zunehmender Hinweise, dass die russischen Exporte nach einem viereinhalbmonatigen Stopp in Kürze wieder aufgenommen werden könnten, bleibt die Liquiditätssituation beim Rhodium angespannt und die Gefahr von weiteren Preisschüben groß. Momentan notiert das Metall knapp unterhalb der Marke von 6.000,- $ je Unze und wir beobachten einen ständigen Anstieg der industriellen Nachfrage, deren Ende nicht in Sicht ist. Auf unteren Seite scheint dagegen, was die Notierung angeht, nur wenig Luft zu sein.

Ruthenium handelt unverändert bei 550,- $ je Unze zu 650,- $ je Unze, aber die Anzeichen neuer Nachfrage durch die Industrie mehren sich weiter. Im Moment sind es vor allem Verkäufe von Händlern, die den Markt weiter in einem Gleichgewicht halten und einen Anstieg des Preises verhindern.

Iridium handelt einmal mehr unverändert bei 420,- $ je Unze zu 460,- $ je Unze.


© Wolfgang Wrzesniok-Roßbach
Heraeus Metallhandelsgesellschaft mbH (07.05.2007)








Disclaimer: Die in Edelmetalle Aktuell enthaltenen Informationen und Meinungen beruhen auf den Markteinschätzungen durch die Heraeus Metallhandelsgesellschaft mbH (Heraeus) zum Zeitpunkt der Zusammenstellung. Der Bericht ist nicht für Privatanleger gedacht, sondern richtet sich an Personen, die gewerbsmäßig mit Edelmetallen handeln. Die in diesem Bericht Informationen, Meinungen und Markteinschätzungen unterliegen dem Einfluss zahlreicher Faktoren sowie kontinuierlichen Veränderungen und stellen keinerlei Form der Beratung oder Empfehlung dar, eine eigene Meinungsbildung des Empfängers bleibt unverzichtbar. Preisprognosen und andere zukunftsgerich-tete Aussagen sind mit Risiken und Unwägbarkeiten verbunden und die tatsächlichen Ergebnisse und Entwicklungen können erheblich von den geäußerten Erwartungen und Annahmen abweichen. Heraeus und/oder Kunden können Transaktionen im Hinblick auf die in dieser Ausarbeitung genannten Produkte vorgenommen haben, bevor diese Informationen veröffentlicht wurden. Infolge solcher Transaktionen kann Heraeus über Informationen verfügen, die nicht in dieser Ausarbeitung enthalten sind. Heraeus übernimmt keine Verpflichtung, diese Informationen zu aktualisieren. Diese Ausarbeitung dient ausschließlich der Information des jeweiligen Empfängers. Sie darf weder in Auszügen noch als Ganzes ohne schriftliche Genehmigung durch Heraeus vervielfältigt oder an andere Personen weitergegeben werden. Die in dieser Ausarbeitung enthaltenen oder ihr zugrundeliegenden Informationen beruhen auf für zuverlässig und korrekt gehaltenen Quellen. Heraeus haftet jedoch nicht für die Richtigkeit, Genauigkeit und Vollständigkeit der Informationen sowie für etwaige Folgen ihrer Verwendung. Ferner übernimmt Heraeus keine Gewähr dafür, dass die genannten Preise tatsächlich erzielt worden sind oder bei entsprechenden Marktverhältnissen aktuell oder in Zukunft erzielt werden können.
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