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Dollarstärke führt zu Korrektur auf breiter Front

23.10.2007  |  Eugen Weinberg
Energie

Der Ölpreis setzte gestern wie von uns erwartet seine Korrektur fort und erreichte im Tagestief 84,73 USD. Insgesamt war der Tagesverlauf mit einer Schwankungsbreite von über 2 USD sehr volatil. Der stärkere US-Dollar, welcher nach einem neuen Allzeittief gegenüber dem Euro im Tagesverlauf wieder mehr als 1,5% gewinnen konnte, drückte die Preise für die meisten Rohstoffe. Der Preis für Rohöl der Sorte WTI ging knapp unter 86 USD aus dem Handel. Brentöl erlitt geringere Tagesverluste und ging mit 83 USD aus dem Handel.

Grund für die Korrektur war unter anderem eine Entspannung der Lage an der türkisch-irakischen Grenze, weil türkische Diplomaten signalisierten, dass Verhandlungen möglicherweise helfen könnten, eine Militäraktion im Nordirak abzuwenden. Der türkische Ministerpräsident Erdogan sagte gestern Abend, dass die Türkei vor einer Intervention Maßnahmen des Iraks selbst bzw. der USA gegen die PKK abwarten werde. Darüber hinaus rechnen die Marktteilnehmer für diese Woche wieder mit gestiegenen US-Rohöllagerbeständen. Javad Yarjani, der OPEC-Verantwortliche im iranischen Ölministerium, schloss gestern eine Quotenerhöhung zur Preissenkung aus. Angesichts der letzten Kommentare von OPEC-Mitgliedern ist nicht mit einer Quotenanhebung vor dem Ministertreffen am 5. Dezember zu rechnen. Diese ist aus unserer Sicht nicht notwendig, weil der Rohölmarkt derzeit gut versorgt zu sein scheint. Wir rechnen für die kommenden Tage mit einer volatilen Korrekturbewegung.

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Der Preis für Erdgas gab gestern in New York wieder leicht um 2% nach und schloss unter der 7-USD-Marke. Gründ für die Schwäche waren warmes Wetter und ausreichend gefüllte Lagerbestände sowie Sorgen über einen stärkeren Konjunkturabschwung in den USA, da die Industrie für 33% des US-Gasverbrauchs verantwortlich ist. Dies sollte unserer Meinung nach nun im aktuellen Preisniveau ausreichend eskomptiert sein.


Edelmetalle

Der Goldpreis musste am Montag in volatilem Handel knapp 1,5% abgeben. Wie von uns prognostiziert korrigierte Gold relativ rasch in Richtung 750 USD, konnte jedoch am frühen Nachmittag bei 745 USD ein Tief ausbilden und notiert heute morgen schon wieder mehr als 12 USD darüber. Anlass für die Korrektur war die plötzliche Dollarstärke und der rückläufige Ölpreis. Newcrest Mining, der größte australische Goldproduzent, erhöhte im dritten Quartal 2007 die Goldförderung in den Minen in Australien und Indonesien um 18% auf 448,1 Tsd. Unzen, um von den gestiegenen Preisen zu profitieren. Darüber hinaus wurde eine Kapitalerhöhung in Höhe von zwei Mrd. AUD abgeschlossen, um Vorwärtsverkäufe zu schließen. BHP meldete im Gegensatz dazu eine um 2% niedrigere Goldförderung im ersten Quartal.

Die Serie von tödlichen Unfällen in der südafrikanischen Bergbauindustrie hält an. So musste DRDGold, der viertgrößte Goldproduzent in Südafrika, nach den tödlichen Unfällen am 12. und am 19. Oktober drei Schächte des Blyvoor Mine, die mehrmals für die höhsten Sicherheitsstandards ausgezeichnet war, schließen. Wir glauben, dass das Angebot in Südafrika weder in diesem noch im nächsten Jahr signifikant ausgeweitet wird und sehen in der aktuellen Korrekturbewegung keine Gefährdung des mittelfristigen Aufwärtstrends, sondern nur eine gesunde und notwendige Korrektur vor weiteren Anstiegen.


Industriemetalle

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dürften auch im nächsten Jahr weiter den Rohstoffmarkt beflügeln. So erwartet Wang Xiaoguang, der chinesische Chef-Planer, für 2008 eine Abschwächung der Inflation auf 3,5% und ein anhaltend hohes Wachstum von 11,5% für dieses Jahr sowie 11% für 2008. Gestern wurden abermals 3.000 Tonnen Blei in die LME-Lagerhäuser eingeliefert, was den Bestand um weitere 9% ansteigen lässt. Der Bleipreis reagiert jedoch weiterhin nur leicht mit einem Verlust von knapp über 2,5%. Am Beispiel von Blei zeigt sich schön der Einfluss der Spekulanten auf diesem Markt. Das LME-Handelsvolumen beträgt aktuell etwas das 12fache der Nachfrage und nimmt weiter zu. Anders als bei Nickel, wo die Auflösung von spekulativen Positionen in einen fallenden Markt stattfand und seit Mai zu einem stetigen Anstieg der Lagerbestände führt, versucht man bei Blei wohl in die Marktstärke massiv Material abzugeben.

Newcrest Mining meldete gestern für das dritte Quartal einen Rückgang der Kupferförderung um 5,6% auf 23,1 Tsd. Tonnen. Gleichzeitig hat BHP gemeldet, dass die Produktion auf Escondida, einer der größten Kupferminen der Welt, im Vorquartal im Jahresvergleich um 29% gestiegen ist. Western Mining, ein chinesischer Kupferproduzent, hat wie geplant am 18. Oktober die Produktion aufgenommen und will die Erzverarbeitskapazität in der Huogeqi Mine im der inneren Mongolei bis 2010 auf vier Mio. Tonnen erhöhen. Wir rechnen in den kommenden Monaten mit einem fallenden Kupferpreis.


© Eugen Weinberg
Senior Commodity Analyst

Quelle: Commerzbank AG, Corporates Markets





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