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Ölpreis fällt auf 12-Wochentief

30.07.2008  |  Eugen Weinberg
Energie

Der Ölmarkt ist gestern abermals deutlich unter Druck geraten. Im Tief fiel der WTI-Preis bis auf USD 120,42 je Barrel, den niedrigsten Stand seit Anfang Mai. Der US-Dollar konnte gestern gegenüber dem Euro ein Prozent an Wert gewinnen und auf ein Monatshoch steigen, was den Ölpreis unter Druck setzte. Dazu goss der Präsident der OPEC, Khelil, neues Öl ins Feuer der Bären, indem er den Ölpreis als abnormal hoch bezeichnete und Spekulationen auf eine Kürzung der Ölfördermenge eine Absage erteilte. Nach Ansicht von Khelil könnte der Ölpreis langfristig bis auf 70 bis 80 Dollar zurückfallen, wenn der US-Dollar weiter aufwertet und die geopolitischen Risiken nachließen. Vor allem die Sorge der OPEC, dass der zuletzt rasant gestiegene Ölpreis zu einem Einbruch der Konjunktur und damit zu einer Verlangsamung der Ölnachfrage führen könnte, dürfte das Kartell von einer baldigen Kürzung der Fördermenge absehen lassen.

Laut Mastercard ging der Benzinverbrauch in den USA in der vergangenen Woche um 4,0% gegenüber dem Vorjahr zurück. Heute Nachmittag könnten die Daten zu den US-Lagerbeständen der vergangenen Woche weitere Molltöne liefern. Zwar wird erwartet, dass die Rohöllagerbestände um 1,3 Mio Barrel zurückgegangen sind. Infolge von Hurrikan Dolly ist es zu Unterbrechungen der Öllieferungen und Ölimporte gekommen, was sich in fallenden Ölvorräten widerspiegeln sollte. Da der Fokus derzeit stark auf die Benzinnnachfrage gerichtet ist, dürfte auf der Entwicklung der Benzinvorräte bsonderes Augenmerk liegen. Diese waren in der vorherigen Woche aus dem 5-Jahreskorridor nach oben ausgebrochen. Aufgrund der schwachen Nachfrage wird mit einem weiteren Anstieg um 350.000 Barrel gerechnet.

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Ein stärkerer Lageraufbau würde die Ölpreise weiter unter Druck setzen und könnte einen Rückgang unter die 120 $-Marke zur Folge haben. Der erwartete Anstieg der Lagerbestände bei den Destillaten um 2 Mio Barrel ist saisonüblich, da im zu dieser Jahreszeit die Heizölnachfrage der privaten Haushalte eher niedrig ist, was zu einem Aufbau der Heizölvorräte führt. Von daher sollte diese Zahl nicht überbewertet werden. Shell hat nach Anschlägen auf seine Öleinrichtungen in Nigeria gestern erneut die Höhere-Gewalt-Klausel deklariert, um so gegen mögliche Lieferausfälle rechtlich abgesichert zu sein. Die Klausel war erst am 15. Juli aufgehoben worden. Nennenswert profitieren konnte der Ölpreis davon allerdings nicht, was die negative Stimmung am Ölmarkt unterstreicht.


Edelmetalle

Gold ist gestern unter Druck geraten und im Tief bis auf USD 914 je Feinunze gefallen, das niedrigste Niveau seit drei Wochen. Der festere US-Dollar, der um vier US-Dollar gesunkene Ölpreis und freundliche Aktienmärkte wirkten belastend. Ein kurzzeitiger Rückgang unter $900 kann nicht ausgeschlossen werden, wenn der Ölpreis im Zuge steigender US-Benzinlagerbestände am Nachmittag weiter unter Druck geraten sollte. Denn dadurch sinkt die Attraktivität von Gold als Absicherung gegen eine steigende Inflation. Das Abwärtspotenzial bei Gold sollte aufgrund der anhaltenden geopolitischen Risiken begrenzt sein. So läuft am Ende der Woche die Frist ab, bis zu der der Iran zum Angebot des Atom-Sextetts Stellung beziehen muss, auf die Fortführung des Atomprogramms zu verzichten. Zudem schätzen unsere Währungsexperten das weitere Abwärtspotenzial bei EUR/USD als begrenzt ein. Vor diesem Hintergrund dürften Kursrückgänge bei Gold unter $900 nur vorübergehender Natur sein.


Industriemetalle

Der Kupferpreis ist auf den tiefsten Stand seit mehr als sechs Wochen gefallen. Neben dem festeren Dollar belasteten schwache Daten zum US-Immobilienmarkt, welche auf eine schwache Nachfrage aus diesem für Kupfer wichtigen Segment hindeuten. Wir fühlen uns in unserer Meinung bestätigt, dass Kupfer mittelfristig weiteres Abwärtspotenzial besitzt.

Western Mining, der zweitgrößte Bleiproduzent Chinas, hat seine Prognose für die Blei- und Zinkproduktion für das laufende Jahr aufgrund steigender Kosten, Werksschließungen und Engpässen bei der Stromversorgung auf 54.300 Tonnen Zink und 35.300 Tonnen Blei nach unten revidiert. Bislang erwartete man einen Output von 70.000 Tonnen Zink und 65.000 Tonnen Blei. Die Abwärtsrevision kommt nach den vorliegenden Produktionszahlen für das erste Halbjahr nicht überraschend. Dennoch dürften die Preise von Blei und Zink profitieren, denn China ist der weltweit größte Produzent beider Metalle. Aufgrund der in gut einer Woche beginnenden Olympischen Spiele ist kurzfristig mit weiteren Produktionseinschränkungen zu rechnen ist. Wir bleiben daher für beide Metalle optimistisch gestimmt.


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© Eugen Weinberg
Senior Commodity Analyst

Quelle: Commerzbank AG, Corporates Markets





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