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Finanzmarkt: Handel in bekannten Sphären - Kaplan/QE, Yellen/CPI

05.08.2021  |  Folker Hellmeyer
Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,1835 (06:11 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,1832 im fernöstlichen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 109.69. In der Folge notiert EUR-JPY bei 129.82. EUR-CHF oszilliert bei 1,0740.


Finanzmarkt: Handel in bekannten Sphären

Am Finanzmarkt kommt es zu interessanten Verschiebungen, jedoch weitgehend in bekannten Sphären.

Am Aktienmarkt zeigt sich in den USA nach den starken Tagen zuvor "Lust" auf Gewinnmitnahme. Der europäische Markt reüssierte gestern mit Stärke. Derartige Divergenzen sind selten (Anomalie). Das ist ungewöhnlich hinsichtlich der schwachen Aktienkultur insbesondere in Deutschland.

Kaufen sich aktuell Ausländer ein? Gut, man kann derzeit vergleichsweise günstig in Europa am Aktienmarkt auf Shopping-Tour gehen.

Die Würdigung unseres eigenen Kapitalstocks, von dem wir leben, hat es noch nie in der erforderlichen Breite und Tiefe in der Bevölkerung gegeben. Das ist bedauerlich wegen des verpassten Vermögensaufbaus.

Bis in die 80er Jahre war es die Deutschland AG, die auf institutioneller Ebene den Kapitalstock elitär via Verflechtung erfolgreich managte. Die Ausrichtung auf kurzfristige Bilanzierung, mit der wir faktisch das US-Geschäftsmodell des "Sprint" in der ersten Hälfte der 90er Jahre adaptierten (Idiotie, zuvor erfolgreich HGB "Marathon"), vernichtete die Deutschland AG. Seitdem wird unsere Selbstbestimmung auf ökonomischer Ebene von uns freiwillig zur Disposition gestellt, ohne dass dieses Thema über Dekaden angemessen wahrgenommen wird.

Das ist für das Land der Dichter und Denker unter intellektuellen Aspekten bemerkenswert: Mögen wir seit den 90ern Fremdbestimmung bei dem Kapitalstock? Welches Risiko geht davon aus?

Die makroökonomischen Daten belegen weiter ein hohes Wachstumstempo in der Weltwirtschaft, allen voran in Europa (siehe Markit Composite PMI 60,2).
Mikroökonomische Daten setzen überwiegend unerwartet positive Akzente. Gerne weisen wir auf einige Unternehmen aus dieser Phalanx hin, die in den letzten 24 Stunden ihre Daten veröffentlichten. Dazu gehören GM, Honda, Wacker Chemie, Bayer, Merck, Zalando, Siemens, Crédit Agricole, Evonik, United Internet und Voestalpine. Andererseits gibt es auch Unternehmen, die enttäuschendes Zahlenwerk vorlegten. In dieser Kategorie wurden Siemens Energy, Commerzbank, Uber und Yandex beispielsweise auffällig.

Auch vom Zinsmarkt kam weiter Unterstützung. Der Anlagenotstand nimmt zu, nicht ab. Die Renditen am Kapitalmarkt fallen weiter. Die 10-jährige Bundesanleihe rentiert derzeit mit -0,50%, während die 10-jährigen US-Treasuries bei einer Rendite von 1,20 liegen (zutiefst gestern 1,14%).

Am Edelmetallmarkt gab es eine „normale“ Anomalie. Gold (Top: 1831 USD) und Silber (Top: 26,01 USD) legten bis 14 Uhr zu, um dann in kürzester Zeit „geschlachtet“ zu werden. Gewinnmitnahmen professioneller Investoren laufen technisch so nicht ab. Gestern wurde das Wort "MANIPULATION" dem Edelmetallmarkt in Großbuchstaben angeheftet! Ich erwäge einen umfassenden Bericht über Historie, (Staats)Kartell, Mechanik und Architektur der Manipulation zu verfassen. Das Maß ist voll!


Fed-Gouverneur Kaplan fordert QE-Reduktion

Der Gouverneur der Fed Dallas Kaplan, der zu den "Falken" innerhalb des Entscheider-Gremiums der Fed gehört, forderte gestern eine sukzessive Reduktion der Anleiheankäufe. Das würde der Fed mehr Flexibilität geben, geduldiger bei Zinserhöhungen zu sein. Kaplan führte weiter aus, dass bei weiteren Fortschritten am US-Arbeitsmarkt im Juli und im August eine Anpassung der Ankäufe seitens der US-Notenbank angemessen sei. Er setze sich für eine schrittweise Vorgehensweise ein. Der Zeitraum der Reduktionen solle bei etwa acht Monaten liegen (Reduktion um 15 Mrd. USD pro Monat).

So würde der Fed Spielraum gegeben, beim Zinssatz geduldiger zu sein, was Fortschritte am Arbeitsmarkt eröffnen würde.

Nun lieferte der ADP-Report gestern keine Steilvorlage für das Ende von QE, ebenso wenig die Berichte der Arbeitslosenerstanträge. Warten wir ab, wie der "Falkenflug" in Washington fortgesetzt wird. „Tauben“ gibt es eine Menge!


Finanzministerin Yellen zum CPI

US-Finanzministerin Yellen erwartet, dass sich die Preisinflation bis Ende 2021 abschwächen würde. Die Inflationsraten würden dann auf ein Niveau sinken, das mit der Interpretation der Fed zu Preisstabilität vereinbar sei. Sie argumentierte, dass die aktuell hohe Inflation ein temporärer Effekt von Angebotsengpässen und Verschiebungen in der Ausgabennachfrage sei. Diese Position ist bekannt. Es gibt erste Anzeichen, dass der internationale Preisdruck zu Beginn der 2. Jahreshälfte rückläufig ist. Japan ist zurück in der Deflation. Bei den Niederlanden kam es zu einem Preiseinbruch (siehe Datenpotpourri). Aufmerksamkeit ist geboten!


Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden

Die Erholung im Jahr 2020 nach dem ersten global verfügten Lockdown wird in den kommenden Monaten dafür sorgen, dass die hohen Wachstumszahlen keinen Bestand haben können. Es handelt sich um das Phänomen auslaufender Basiseffekte.


Eurozone: Prognosen verfehlt, aber weiter starke Ökonomie

Der von Markit berechnete Einkaufsmanagerindex des Dienstleistungssektors stellte sich in der finalen Berechnung per Juli auf 59,8 Punkte (vorläufiger Wert und Prognose 60,4). In der Folge lag der Finalwert des Composite Index bei 60,2 Zählern (vorläufiger Wert und Prognose 60,6).

Die Einzelhandelsumsätze nahmen per Berichtsmonat Juni im Monatsvergleich um 1,5% (Prognose 1,7%) nach zuvor 4,1% (revidiert von 4,6%) zu. Im Jahresvergleich ergab sich ein Anstieg um 5,0% (Prognose 4,5%) nach zuvor 8,6% (revidiert von 9,0%).

In den Niederlanden legten die Verbraucherpreise per Juli im Jahresvergleich um 1,4% nach zuvor 2,0% zu.


UK: Positive Akzente von Markit PMIs

Der von Markit berechnete Einkaufsmanagerindex des Dienstleistungssektors stellte sich in der finalen Berechnung per Juli auf 59,6 Punkte (vorläufiger Wert und Prognose 57,8). In der Folge lag der Finalwert des Composite Index bei 59,2 Zählern (vorläufiger Wert und Prognose 57,7).


USA: ADP-Report enttäuscht, ISM stark

Der von ADP erstellte Beschäftigungsreport für die US-Privatwirtschaft enttäuschte per Berichtsmonat Juli. Es wurden lediglich 330.000 neue Jobs geschaffen (Prognose 695.000). Der Vormonatswert wurde von 692.000 auf 680.000 revidiert.

Der von Markit berechnete Einkaufsmanagerindex des Dienstleistungssektors stellte sich in der finalen Berechnung per Juli auf 59,9 Punkte (vorläufiger Wert 59,8). In der Folge lag der Finalwert des Composite Index bei 59,9 Zählern (vorläufiger Wert 59,7).

Der vom ISM ermittelte Einkaufsmanagerindex des Dienstleistungssektors legte per Juli unerwartet von zuvor 60,1 auf 64,1 Zähler zu (Prognose 60,5).

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den USD gegenüber dem EUR favorisiert. Ein Überwinden des Widerstandsniveaus bei 1.1900 – 1.1930 negiert den positiven Bias des USD.

Viel Erfolg!


© Folker Hellmeyer
Chefanalyst der Solvecon Invest GmbH



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