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Finanzmärkte: Ideologiegetriebene "Fehldiagnosen"

29.11.2018  |  Vertrauliche Mitteilungen
Die vor einem Jahrzehnt auch für den "blindesten" Beobachter offenkundig gewordene Finanzmarkt- und Staatsschuldenkrise ("Lehman Brothers") wird nach der heute gängigen und von der Politik sozusagen abgenickten These auf eine angeblich "zu neoliberale" Politik zurückgeführt.

Doch bei Licht betrachtet gibt es auch eine alternative Deutungsmöglichkeit, bei der nicht "entfesselte Märkte", sondern im Gegenteil zu strenge regulatorische Vorgaben und staatliche Eingriffe ein Krisenszenario nach dem anderen hervorriefen.

Tatsächlich hatten nach dem Platzen der Aktienblase im Jahr 2000 ("Neuer Markt") die US-Fed und andere westliche Zentralbanken die Zinsen radikal gesenkt, was - zunächst vor allem in den USA - die Immobilienpreise drastisch steigen ließ.

Man kann aus heutiger Sicht durchaus vermuten, daß die dahinter stehende Intention dahin ging, auf das Platzen der Aktienblase mit dem künstlichen Aufblähen einer weitaus größeren Blase im Immobilienbereich zu reagieren, um auf diese Weise die mit jeder geplatzten Blase einhergehenden Folgen (u.a. Rezession) zu überspielen.

Die Finanzierung erfolgte bekanntermaßen u.a. dahingehend, daß man die schon damals „gewagten“ Kredite bündelte und an z.B. deutsche Banken veräußerte, was manche US-Kreise schon damals von "stupid german money" ("dummes deutsches Geld") sprechen ließ. Als diese Blase schließlich 2008/2009 platzte, senkte man die Zinsen noch weiter, was die Anleihekurse explodieren ließ und es zu einer - noch nicht geplatzten - wiederum weitaus größeren Anleihenblase kam.

Der von Kapitalismuskritikern ständig wiederholten (aber deshalb nicht unbedingt richtiger werdenden) Behauptung, dies sei stets ein Beleg für Marktversagen in Folge zu großer Freiheiten gewesen, muß vordiesem Hintergrund widersprochen werden.

Denn schon vor der Finanzmarktkrise von 2008/2009 waren allein in Washington mehr als 12.000 Beamte mit der Beaufsichtigung und Regulierung der Finanzmärkte vertraut - mehr als fünfmal so viele wie im Jahr 1960. Und seit den 1980er Jahren, als nach der vorherrschenden Kritik die angeblich schädliche "Laissez-faire-Phase“ begonnen haben soll, stiegen die Ausgaben der US-Bundesbehörden zur Finanzmarktregulierung von 725 Mio. Dollar jährlich auf (inflationsbereinigte!) 2,3 Milliarden Dollar!

Für die unstreitigen Fehlentwicklungen des letzten Jahrzehnts kam es offenbar zu einer krassen - und vielleicht auch ideologiegetriebenen - Fehldiagnose, die logischerweise dann auch zu falschen Therapiemaßnahmen führte.

Man versuchte mit anderen Worten, eine durch künstlich niedrig gehaltene Zinsen und politisch motivierte Eingriffe in das Marktgeschehen hervorgerufene Krise durch noch niedrigere Zinsen und immer neue politische Eingriffe zu kurieren. Wie eingangs schon einmal erwähnt, reagierte man mit anderen Worten auf das Platzen von Blasen mit der Anregung neuer und noch weitaus größerer Blasen.

Das gegenwärtige Ergebnis läßt sich u.a. am Anleihemarkt ablesen, wo schon ein leicht steigendes Zinsniveau zu deutlichen Kursverlusten führen wird, die manchen Großanleger (darunter auch Banken und Versicherungsgesellschaften) in erhebliche Schwierigkeiten bringen werden. Die in der Vergangenheit entstandenen Probleme wurden schließlich bisher nicht gelöst, sondern nur noch größer gemacht und in die Zukunft verschoben.


© Vertrauliche Mitteilungen

Auszug aus dem Vertrauliche Mitteilungen - aus Politik, Wirtschaft und Geldanlage, Nr. 4313



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