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Trumps Handelskrieg mit China stärkt den Goldpreis

16.01.2017  |  James West
Historisch betrachtet war der Goldpreis schon immer das Barometer, an dem sich die allgemeinen Erwartungen bezüglich der geopolitischen Stabilität am zuverlässigsten ablesen ließen. Das Edelmetall ist zudem ein ziemlich verlässlicher Indikator für zu hohe Kreditvolumen und Kapitalmengen im weltweiten Finanzsystem - oder zumindest war es das, bis diverse Unzulänglichkeiten bei der Regulierung der Terminmärkte den größten Akteuren die Möglichkeit verschafften, die Spotpreise nach Belieben zu beeinflussen. Aus diesem Grund übersteigt das Handelsvolumen der Futuresmärkte nicht nur das Volumen der physischen Handelsplätze, sondern sogar die Gesamtmenge des physisch existierenden Goldes auf dieser Erde.

Doch wie dem auch sei - dem Goldkurs gelingt es noch immer, starke Änderungen der Marktstimmung mit Ausbrüchen nach oben oder nach unten widerzuspiegeln. Die Tatsache, dass der Goldpreis derzeit täglich höher klettert und die Käufe zunehmen, während der Amtsantritt von Donald J. Trump am 20. Januar näherrückt, legt die Vermutung nahe, dass die Überschwänglichkeit an den Aktienmärkten kurz nach der Präsidentschaftswahl in Wirklichkeit irreführend war.

Die Kursgewinne könnten jedoch auch - und das ist wahrscheinlicher - ein Hinweis auf eine zunehmende Beklemmung angesichts der chinafeindlichen Rhetorik von Mr. Trump sein, die dieser irrationalerweise immer weiter verschärft.

Der letzte Austausch zwischen Trump und China ist ein absolutes Paradebeispiel für ausgemachten Unsinn und eine Prahlerei, die eher zu einer Junior-Eishockeymannschaft oder auf einen Spielplatz passt. Die Wahrscheinlichkeit, dass dies letztlich zu einer Diskussion führt, die erwachsenen Personen würdig ist, schwindet mit jedem Schlagabtausch. Da die unerfreulichen Alternativen in der Reihe der theoretischen Möglichkeiten bedrohlich über allen anderen aufragen, klettert der Goldkurs unterdessen weiter nach oben.

Bei seinem Plan, Amerika wieder großartig zu machen, konzentriert sich die wichtigste Strategie Trumps - sofern man überhaupt von einer Strategie sprechen kann - darauf, Importe mit Zöllen zu belegen, damit US-amerikanische Produkte im Vergleich günstiger sind. In Anbetracht der gewaltigen Zahl an in den USA verkauften Gütern, die mittlerweile aus China stammen, sind die Möglichkeiten zur Einführung von Zollabgaben äußerst vielfältig. Das einzige Problem daran ist allerdings, dass es für viele dieser Produkte kein in den Vereinigten Staaten hergestelltes Äquivalent gibt und die Zölle daher wahrscheinlich einen nachteiligen Effekt haben werden.

Andererseits ist vernünftigerweise auch damit zu rechnen, dass China sich auf gleiche Weise revanchiert. Auch die chinesischen Geschäfte bieten eine ganze Reihe von Produkten aus den USA an, die die Regierung mit Einfuhrzöllen belegen könnte (auch wenn es nicht ganz so viele Waren sind wie umgekehrt). In diesem Fall gibt es jedoch fast immer ein in China hergestelltes Alternativprodukt. Der Schaden, den China durch eine solche Politik davontragen könnte, wird also aller Wahrscheinlichkeit nach von den Nachteilen für die US-Interessen aufgewogen.

Sollte Trump diese Vorgehensweise weiter verfolgen - und das scheint in zunehmendem Maße unvermeidlich - wird er sich womöglich bald in der Defensive wiederfinden, eine unvertretbare Strategie verteidigen und seine eigene Glaubwürdigkeit untergraben. Die Folge dessen wären wohl noch weitere schlecht durchdachte Reaktionen.

Aufgrund der globalen Bedeutung Kanadas im Bereich der Förderung und Exploration von Gold und anderen Edelmetallen wird dies zumindest für den nördlichen Nachbarn der USA von Vorteil sein. Falls die protektionistischen Einfuhrzölle schließlich aufgegeben werden, weil sie sich als ineffektiv und kontraproduktiv erweisen, wird man sich infolgedessen wohl stärker auf Finanzimpulse in Form von Investitionen in die Infrastruktur und Steuererleichterungen verlassen. Höhere Infrastrukturausgaben bedeuten mehr Nachfrage nach Kupfer, Zink, Eisenerz, Nickel und Aluminium, was ebenfalls Kanada zugutekommt.

Oberflächlich betrachtet hat es also vielleicht den Anschein, als würde Kanada von einem Handelskrieg zwischen China und den USA profitieren. Der Schaden, der dadurch in Hinblick auf die Zuversicht der Investoren und die Marktstimmung entstehen würde, hat jedoch das Potential, jeden auf diese Weise erhaltenen Vorteil zunichtezumachen. Im Moment können wir nichts weiter tun als zu beobachten, zu kommentieren und zu hoffen, dass die Kontrahenten ihre Rhetorik wieder etwas abmildern. In der Zwischenzeit sollten wir vielleicht noch ein bisschen Gold kaufen.


© James West
www.midasletter.com


Dieser Artikel wurde am 7. Januar 2017 auf www.midasletter.com veröffentlicht und exklusiv für GoldSeiten übersetzt.



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