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Eine Nachbetrachtung zur Fed, S&P sowie China ...

22.09.2017  |  Folker Hellmeyer
Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.1964 (07.42 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.1877 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 111.92. In der Folge notiert EUR-JPY bei 133.90. EUR-CHF oszilliert bei 1.1583.

Geopolitisch bleibt die Gesamtlage angespannt: Wir sind in der internationalen Diplomatie seitens der Vereinigten Staaten und seitens Nordkoreas mit einer Sprache und mit Inhalten konfrontiert, die mehr als verstören und das Risiko einer latenten Verschärfung mit sich bringen. Die USA haben die Sanktionen unilateral gegen Nordkorea verschärft, was globale Auswirkungen zur Folge hat, da implizit damit US-Recht wegen der Rolle des USD und der US-Wirtschaftsmacht faktisch in wesentlichen Teilen zu „internationalem Recht“ (ohne Mandat!) avanciert.

Gestern hat mein sehr geschätzter Kollege Moritz Westerheide hier Ihre Erstversorgung bezüglich der Sitzung der Federal Reserve geliefert.

Weitere 24 Stunden später erlaube ich mir, Ihnen eine Nachversorgung bezüglich dieses Events anzubieten, die durchaus Schärfe in sich trägt.

Die nach Vollkaskomanier vorbereitete zarte Hinwendung in für den Markt kaum relevanter Dosis zu einer vieldiskutierten Anpassung der quantitativen Maßnahmen der US-Zentralbank Federal Reserve hat zu keinen Verwerfungen in den nachfolgenden 36 Stunden in den meisten Märkten geführt. Das war seitens des Establishments auch so gewünscht. Relevant ist der Schritt an sich, weil die Marktteilnehmer so etwas seit 2007/2008 nicht mehr kennen. Die junge nachgewachsene Generation am Finanzmarkt mag in der Tat bass erstaunt sein. Als "Alter Hase" erfreut man sich daran.

Bezüglich der Marktreaktion gilt das Thema "Keine Verwerfungen!" natürlich nicht für Gold und Silber, die stehen unter Druck. Das kennen wir aber schon. Das muss so ein. Gold und Silber sind Krisenbarometer. Nein, sie waren es. Wie sagte der Ex-Chef der Federal Reserve Paul Volcker so treffend, dass es sein einziger Fehler in seiner Amtszeit gewesen sei, dass er den Anstieg des Goldpreises (Spitze bei 800 USD) seinerzeit zugelassen hat und nicht intervenierte.

Der Markt, mehr noch das Wahlvolk, darf doch die Konfidenz in unsere Finanzeliten nicht verlieren unabhängig von der Vielzahl der dort angesiedelten Fehleinschätzungen (u.a. Greenspan: "The crisis is contained!").

Wie viele Zinserhöhungen hätten wir eigentlich seit 2015 schon in den USA haben sollen, wenn die zu Jahresanfang von der Fed propagierten Zinsschritte Realität geworden wären? Ich sehe Ihr nach innen gekehrtes Lächeln. Hmm, Sentiment und Erwartungen geschürt und keine Fakten geliefert. Nette Taktik im Land des Prinzips Hoffnung, so ist das derzeit auch überwiegend mit den US-Daten. Sentiment "hui" - harte Daten "pfui"!

Aber wer trennt schon im so dominanten Mainstream der intellektuellen Eliten der Volkswirtschaftslehre Spreu vom Weizen? Vielleicht erinnern Sie sich an unsere Kommentare mit der Karotte vor der Nase des Esels. Dieses Prinzip dürfte sich weiter fortsetzen …

Fakt ist, dass der richtige Zeitpunkt der quantitativen US-Konjunkturstärke in der Phase 2014/2015 (obwohl strukturell schwach) für US-Zinserhöhungen auch sportlicher Natur gegeben war. Der wurde verpasst! (EZB liest hoffentlich mit, wenn man Fehler vermeiden will …)

Seit zwei Jahren enttäuscht die US-Konjunktur, zuletzt (2016) mit mageren 1,5% Wachstum bei 5,5% öffentlichem Haushaltsdefizit (2016). Auch 2017 müssen die BIP-Prognosen für die USA nach unten angepasst werden. Die Enttäuschung gilt umso mehr, als dass die Qualität der US-Statistik zu hinterfragen ist (Siehe "Endlich Klartext"). Wo sind die selbsttragenden Elemente des US-Wachstums?

Entschuldigung, dass ich Sie mit diesem maladen Trackrecord der Federal Reserve, unserer Finanzelite der USA, belästige. Fakten sind leider nicht immer der Stimmungslage förderlich. Aber da müssen Sie durch. Wir sind hier nicht politisch korrekt, sondern einfach nur korrekt. So gehört es sich doch für echte Profis. Ja, Gold und Silber sind die wirklich extrem ungeliebten Kinder des Finanz-Establishments und freie Märkte sind wirklich klasse.

Bloomberg lieferte am Mittwochabend Yellen live. Ich durfte ihr im Maritim Pro Arte in Berlin nach einer Veranstaltung des DSGV aufmerksam lauschen. Es war irritierend, dass das Thema der strukturellen Basis der ökonomischen Expansion nirgends, auch nicht im Block des Q&A, aufgegriffen wurde. Denn dieser Punkt ist entscheidend für die nachhaltige Konjunktur- und auch Preisentwicklung. Das Drama der Schuldenparty bei liederlichsten Kreditvergabestandards im Konsumsektor in der Geschichte der USA wird ausgeblendet, so wie die Krisenkatalysatoren in der Phase vor der Lehmanpleite.

Mehr noch wurde dem Markt jetzt ein Wachstum um die Marke von 2% als stark verkauft. War das nicht noch vor 1 - 2 Jahren um die 3%? Sie werden sukzessive und beinahe unmerklich an neue Realitäten herangeführt (Narrative), meine sehr verehrten Leser und Leserinnen (bei Qualitätsunterschieden in der Statistik zwischen den USA und der Eurozone, es gibt halt keine Gesetze, wie man Statistik macht, wer Lust hat, darf sich diesbezüglich mit Eurostat einmal in Verbindung setzen).

Umso interessanter waren die Einlassungen Yellens, die immer wieder hervorhoben, dass die Federal Reserve bei einer konjunkturellen Zuspitzung jederzeit reagieren wird. Hier ist sie, die Vollkaskoversicherung.

Ja, die Federal Reserve passt in Mini-Miniaturlandschritten an, aber sie ist auch bereit, stehenden Fußes (stante pede) davon Abstand zu nehmen.

Ob man eine Korrelation zwischen den strukturellen Mängeln der aktuellen wirtschaftlichen Expansion und diesen Worten sehen will, bleibt jedem selbst überlassen. In der Bewertung dieser Zeilen mag "political correctness" einmal mehr eine elementare Rolle spielen.

In der aktuellen geopolitischen Spannungslage meldet sich auch Standard & Poors zu Wort. Die Ratingagentur Standard & Poors senkte die Bewertung der Bonität Chinas von zuvor AA- auf A+ unter Verweis auf zu starkes Kreditwachstum. Wir verweisen darauf, dass die USA das zweitbeste Rating von Standard & Poors hält, AA+.


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